EnBW will bei EVN auf über 33 Prozent aufstocken

11. Juli 2006, 13:50
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Generalbevollmächtigter Goreishi: "Wären gern daran beteiligt, einen österreichischen Energie-Champion zu schaffen"

Wien - Die deutsche Energie Baden-Württemberg (EnBW), drittgrößte Stromfirma Deutschlands, will ihren Anteil am niederösterreichischen Versorger EVN von derzeit 29,74 Prozent auf mehr als 33 Prozent aufstocken. Dies bekräftigte am Montagabend der für Akquisitionen und Konzernwachstum zuständige EnBW-Generalbevollmächtigte Amir Goreishi in Wien.

"Wir wären gerne daran beteiligt, einen österreichischen Energie-Champion zu schaffen", sagte das EVN-Aufsichtsratsmitglied auch im Lichte des kürzlich geplatzten Fusionsplans von OMV und Verbund, auch wenn es in diesem Falle - "vorläufig", wie Goreishi betonte - noch nicht geklappt habe. Denn an sich mache die Schaffung eines großen nationalen Players schon Sinn. Der Verbund habe offenbar die Gas-Absicherung im Zuge seiner Osteuropa-Strategie im Auge gehabt, die OMV den Ausgleich der Öl-Gas-Preis-Schwankungen durch die Wasserkraft.

Bei der niederösterreichischen EVN wolle EnBW "ein sehr interessierter und sehr fairer Aktionär" sein: "Wir wollen unser Engagement bei EVN ausbauen und noch viel Potenzial realisieren in Maria Enzersdorf", dem Sitz der nö. Versorgers. Das Bestreben, nach Möglichkeit bei EVN auf mehr als 33 Prozent aufzustocken, bedeute nicht, dass man zumindest 51 Prozent oder die industrielle Führung innehaben müssen, "bei unseren osteuropäischen Beteiligungen sind es auch oft weniger". Die EVN AG, die zu 51 Prozent dem Land Niederösterreich gehört, ist derzeit an der Börse mit knapp mehr als 3,1 Mrd. Euro bewertet.

Aktive Rolle

In der europaweiten "Konsolidierungswelle" des Strom-Sektors wolle EnBW "eine aktive Rolle spielen - und nicht 'konsolidiert werden'", verwies der gebürtige Wiener im Zigarren-Klub (Z+K) auf die Mega-Merger E.ON/Endesa und Suez/GdF. Wachstumschancen für Stromkonzerne seien heute hauptsächlich in Osteuropa gegeben, deshalb verfüge EnBW über Beteiligungen in Ungarn, Polen und Tschechien. Zwar hätten alle Stromriesen hohe Cash-Bestände und würden gute Gewinne schreiben, doch seien die Asset-Preise in den vergangenen Jahren geradezu explodiert, "und auch wir als EnBW sind etwas zurückhaltender geworden". Unter den österreichischen Versorgern habe einzig EVN ein nennenswertes CEE-Engagement realisiert.

EnBW setzt mit 18.000 Mitarbeitern mehr als 10 Mrd. Euro im Jahr um und ist - nach E.ON und RWE - drittgrößer Stromkonzern in Deutschland mit rund 5 Mio. Endkunden, gefolgt von Vattenfall. Zu 45 Prozent gehört EnBW der Electricite de France (EdF), die in Österreich eine Sperrminorität an der steirischen EStAG hält. (APA)

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