35.000 GM-Mitarbeiter nehmen Abfindung an

7. Juli 2006, 11:31
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Das Abfindungs­programm des US-Autokonzerns ist nicht nur einzigartig in der US-Geschichte, es trifft bei den Mitarbeitern auch auf unerwartet hohe Resonanz

Detroit - Der angeschlagene US-Autoriese General Motors (GM) drückt beim Stellenabbau aufs Tempo: Fast 48.000 Beschäftigte des weltgrößten Autobauers sowie seines früheren Teilezulieferers Delphi scheiden vorzeitig aus. Sie nahmen Angebote für einen vorgezogenen Ruhestand oder Abfindungen an, wie GM und Delphi am Montag (Ortszeit) in Detroit mitteilten. Das ist das größte derartige Programm der US-Geschichte. Die Opel-Mutter kommt damit bei seinen angestrebten Stellenstreichungen schneller voran als geplant.

Frist bis Freitag

Während bei Delphi 12.600 Mitarbeiter die angebotenen Abfindungen annahmen, unterschrieben bei GM 35.000 Beschäftigte in den USA eines der Angebote zum frühzeitigen Ausscheiden. Das sind fast zehn Prozent der 327.000 GM-Beschäftigten weltweit. In den USA zählt der Autoriese 113.000 Mitarbeiter. Die Beschäftigten hatten bis Freitag um Mitternacht Zeit, einem vorzeitigen Ausscheiden zuzustimmen.

Die überwiegende Mehrheit griff den Angaben zufolge dabei auf eine Art Vorruhestand unter Beibehaltung der sozialen Absicherung zurück, nur 4.600 GM-Beschäftigte entschieden sich für die zweite Option: Eine einmalige Abfindung bei Verzicht auf alle künftigen Ansprüche. Im Rahmen der Vereinbarungen sollen die ausscheidenden Mitarbeiter das Unternehmen bis spätestens 1. Jänner kommenden Jahres verlassen. Ihre Entscheidung können sie noch binnen einer Woche widerrufen.

GM hat damit voraussichtlich bis Jänner - und damit zwei Jahre früher als geplant - sein Ziel erreicht, rund 30.000 Stellen in den nordamerikanischen Fabriken zu streichen. Dabei sei der Personalrückfluss aus der ehemaligen Tochterfirma Delphi, dem ehemals weltweit größten Autoteile-Zulieferer, bereits eingerechnet. Die bankrotte Firma steht derzeit unter Gläubigerschutz und kämpft ums Überleben.

Rücklagen

Zur Finanzierung des Sozialplans bildet GM nach Angaben von Konzernchef Rick Wagoner Rücklagen in Höhe von rund 3,8 Milliarden Dollar (3,03 Mrd. Euro). Diese würden voraussichtlich in die Bilanz für das zweite Quartal eingestellt. Die Maßnahmen ermöglichten GM einen "Schnellstart" bei den Bemühungen, die strukturellen Kosten des Unternehmens zu reduzieren, sagte Wagoner. Durch den schnelleren Stellenabbau könnten nun ab Ende 2006 acht statt der bisher vorgesehenen sieben Mrd. Dollar jährlich eingespart werden. Im vergangenen Jahr fraßen die Kosten noch 34 Prozent des Erlöses von GM auf; bis 2010 sollen es nur noch 25 Prozent sein. "Unser Ziel ist es, bei GM nachhaltige Wirtschaftlichkeit und Wachstum zu sichern", unterstrich Wagoner.

GM machte im vergangenen Jahr einen Verlust von 10,6 Milliarden Dollar. Der Autogigant kämpft besonders auf dem Heimatmarkt seit Jahren mit massiven Absatzproblemen. Anders als die asiatische Konkurrenz hat GM - ähnlich wie der ebenfalls krisengeschüttelte US-Konzern Ford - zu lange auf Sprit fressende Geländewagen gesetzt; hier ließen zuletzt die hohen Kraftstoffpreise die Nachfrage regelrecht einbrechen. GM erwägt auch, in Westeuropa bis zu drei seiner neun Werke zu schließen. In Deutschland ist die Zukunft des Opel-Werks Bochum ungewiss. Als gesichert gelten dagegen laut Medienberichten die deutschen Werke in Eisenach und Rüsselsheim.

2006 geringerer Branchenabsatz auf US-Markt erwartet

Auf dem US-Markt rechnet GM für heuer mit einem geringeren Branchenabsatz als 2005. Als Grund nannte das Unternehmen am Dienstag die gestiegenen Benzinpreise und höhere Zinsen. Man könne wohl sagen, dass sich die Branche etwas unter den Erwartungen entwickelt, sagte GM-Marktanalyst Paul Ballew.

Händler reagierten offenbar negativ auf die Ankündigung. GM-Aktien verloren im frühen Handel um fast fünf Prozent auf 26,38 Dollar (20,99 Euro). Am Vorabend hatte der DaimlerChrysler-Konkurrent mitgeteilt, bei seinem angekündigten Stellenabbau schneller als erwartet voranzukommen. (APA/Reuters)

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    GM macht Tempo bei Jobabbau: Insgesamt sind 48.000 Beschäftigte zum Gehen bereit.

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