UNODC: Kokain-Missbrauch in Europa steigt

4. Juli 2006, 15:29
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3,5 Millionen Europäer konsumieren Kokain - Costa: "Über Drogen-Missbrauch von Stars wird von Medien viel zu unkritisch berichtet"

New York - Der Kokain-Missbrauch in West- und Mitteleuropa steigt: Ein Viertel des Weltverbrauchs wird in Europa geschnupft. Das geht aus einer alarmierenden Studie das UN-Büros für Drogen und Verbrechen (UNODC) hervor, die am Montag in Washington veröffentlicht wurde. Rund 3,5 Millionen Europäer konsumieren derzeit Kokain, pro Jahr steige die Rate um zwei Prozent, heißt es darin.

Europäische Regierungen sollten das Ergebnis der Studie nicht auf die leichte Schulter nehmen, mahnte der UNODC-Vorsitzende Antonio Maria Costa. "Viel zu viele qualifizierte, ausgebildete West-Europäer benutzen Kokain und streiten ab, dass sie abhängig sind. Über Drogen-Missbrauch von Stars wird von den Medien viel zu unkritisch berichtet", sagte Costa. Besonders auf junge Menschen habe das fatale Auswirkungen.

Weltweit würden die Droge 13,4 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren regelmäßig verwenden, die Hälfte davon in Nord- und Südamerika. Nur in Kanada sinke der Verbrauch unter Studenten. Im vergangenen Jahr seien 910 Tonnen Kokain produziert worden. 54 Prozent der Cocapflanzen werde in Kolumbien angebaut, gefolgt von Peru (30 Prozent) und Bolivien (16 Prozent).

Dem UNODC-Bericht zufolge gehe der Anbau von Coca-Pflanzen weltweit jedoch zurück. 2005 würden noch 159.000 Hektar angebaut, im Vergleich zu knapp 222.000 Hektar noch fünf Jahre zuvor. In Kolumbien steige nach Jahren des Rückgangs der Coca-Anbau trotz staatlicher Gegenmaßnahmen jedoch wieder - um acht Prozent im vergangenen Jahr.

Internationale Drogenhändler benutzten vor allem zwei Routen, um das Kokain nach Nordamerika und Europa zu transportieren: Aus der Anden-Region gelange das Rauschmittel über Mexiko in die USA. Die Lieferungen nach Europa würden in der letzten Zeit verstärkt über West- und Mittelamerika nach Spanien und Portugal verschifft werden.

Das UN-Büro für Drogen und Verbrechen wurde 1997 für den Kampf gegen illegale Drogen und internationales Verbrechen gegründet. Der Hauptsitz ist in Wien, weltweit hat es etwa 500 Mitarbeiter. (APA/dpa)

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