Ukraine trifft, Schweiz nicht

27. Juni 2006, 11:00
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Die Truppe von Oleg Blochin besiegt die Schweiz nach mageren 120 Minuten im Elfmeterschießen - Alle Schweizer verschossen

Köln - Die Ukraine hat sich gleich bei ihrer Fußball-WM-Premiere für das Viertelfinale qualifiziert. Das Team um Stürmerstar Andrej Schewtschenko setzte sich am Montagabend in Köln in einem schwachen Match zweier Außenseiter mit 3:0 im Elfmeterschießen gegen die Schweiz durch. Nach torlosen 120 Minuten scheiterten alle Schweizer Schützen vom Elferpunkt. In der Runde der letzten Acht trifft die Ukraine am Freitag (21:00 Uhr) in Hamburg auf Italien.

Mit einem sicher verwandelten Penalty sicherte Oleg Gusew seiner Mannschaft den Einzug ins Viertelfinale. Zuvor waren alle Schweizer und auch Schewtschenko gescheitert. Im Gegensatz zum Champions-League-Finale 2005, als der Stürmerstar den entscheidenden Elfer vergeben hatte, konnte "Schewa" diesmal aber jubeln. Die Nerven der jungen Schweizer hielten nicht. Ohne ein Gegentor erhalten zu haben, schied der EM-Partner Österreichs im Achtelfinale aus.

Dabei hatten beide Teams mit der sich ihnen durch die Achtelfinal-Konstellation bietenden Gelegenheit wenig anzufangen gewusst und agierten zu hektisch. Fehlpässe auf beiden Seiten prägten das Bild der ersten Hälfte, die ihre Höhepunkte in zwei Lattenschüssen fand. Den ersten verzeichneten die Ukrainer in der 21. Minute durch Schewtschenko, der nach einem Kalinitschenko-Freistoß per Kopf am Metall scheiterte.

Nur zwei Minuten später hatte der Schweizer Solo-Stürmer Alexander Frei bei einem direkten Freistoß aus 26 Metern ebenso Pech. Der Nachschuss von Tranquillo Barnetta ging Richtung Kölner Abendhimmel. Während die Offensivreihen viel schuldig blieben, überzeugten die WM-Außenseiter in der Defensive. Und das, obwohl beide Trainer umgestellt hatten. Bei den Ukrainern fehlte Abwehrchef Andrej Rusol wegen einer Gelbsperre, die Eidgenossen mussten wiederum auf den verletzten Philippe Senderos verzichten.

Durch eine frühe Leistenverletzung von Senderos-Ersatz Johan Djourou musste der Schweizer Teamchef Köbi Kuhn seinen Abwehrverbund noch einmal umbauen und brachte für den 19-Jährigen, der wie Senderos für Arsenal spielt, nach 34 Minuten Stephane Grichting.

In der Pause schienen dann beide Mannschaften ihre 45 Minuten währende Nervosität abgelegt zu haben, ihre Vorsicht allerdings nicht. Vor allem die Ukrainer spielten geordneter, doch fehlten ihnen die zündenden Ideen, um gegen die Schweizer Abwehr Chancen herauszuspielen. So kam nur bei Standardsituationen und Einzelaktionen etwas Gefahr auf.

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel verpasste der laufstarke, aber sonst glücklose Andrej Woronin per Kopf das eidgenössische Tor (46.), zehn Minuten später scheiterte Schewtschenko per Freistoß. Der zu Chelsea gewechselte Stürmerstar zeichnete auch für die nächste Chance der Ukrainer verantwortlich. Nach einem Solo verpasste der nach einer Knieverletzung wieder genesene Angreifer seinen dritten WM-Treffer per Weitschuss nur knapp (67.). Die Schweizer blieben völlig harmlos, sie kamen nur durch hohe Bälle in den gegnerischen Strafraum.

Die beste Chance in der regulären Spielzeit fand Andrej Husin eine Viertelstunde vor Schluss vor, er verfehlte nach einem Corner das lange Eck mit einem Kopfball nur um Zentimeter (75.). Spätestens nach dieser Szene schien die Verlängerung eine für beide Seiten annehmbare Option zu sein. Auch durch Pfiffe der genervten Zuschauer ließen sich die Spieler nicht zu mehr Risiko verleiten.

In der Verlängerung waren es die Schweizer, die für das Geschehen dominierten. Ein Schuss von Johann Vogel vom 16er, den Keeper Schowkowski recht mühelos parierte, war dann aber auch die einzige Ausbeute (100.). Ein Vorstoß des eingewechselten Marco Streller in der 115. Minute fand in der Grätsche von Husin sein Ende, der gute Schiedsrichter Benito Archundia (MEX) ließ aber zurecht weiterspielen.

Somit musste erstmals bei dieser Fußball-WM ein Spiel im Elfmeterschießen entschieden werden. Gleich zum Auftakt scheiterte Ukraine-Kapitän Schewtschenko mit einem schwach geschossenem Penalty an Pascal Zuberbühler. Doch auch Streller fand danach in Schowkowski seinen Meister. Während Milewskij und Rebrow trafen, scheiterten auch Barnetta und Cabanas vom Elferpunkt. Gusew schoss dann seine Mannschaft ins Viertelfinale gegen Italien. (APA)

  • Schweiz - Ukraine 0:0, 0:3 n.E.
    FIFA-WM-Stadion Köln, 45.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Benito Archundia (Mexiko).

    Schweiz: Zuberbühler - Ph. Degen, Müller, Djourou (34. Grichting), Magnin - Barnetta, Vogel, Cabanas, Wicky - Hakan Yakin (64. Streller) - Frei (117. Lustrinelli)

    Ukraine: Schowkowski - Gusin, Waschtschuk, Nesmatschni - Gusew, Timostschuk, Worobej (94. Rebrow), Schelajew, Kalinitschenko (75. Rotan) - Woronin (111. Milewskij), Schewtschenko

    Gelbe Karte: Barnetta

    Elfmeterschießen:
    Schewtschenko (Ukraine) vergibt (Zuberbühler hält)
    Streller (Schweiz) vergibt (Schowkowski hält)
    Milewskij (Ukraine) trifft zum 0:1
    Barnetta (Schweiz) vergibt (Latte)
    Rebrow (Ukraine) trifft zum 0:2
    Cabanas (Schweiz) vergibt (Schowkowski hält)
    Gusew (Ukraine) trifft zum 0:3

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      Gusew schießt den entscheidenden Penalty zum Aufstieg.

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      Ex-Vorwärts-Steyr-Spieler und nunmehriger Teamchef der Ukraine Oleg Blochin wird von seinen Spielern in die Luft geworfen.

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