Softwareriese wählt sich in die Telefonanlage ein

31. Juli 2006, 10:22
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Der Softwarekonzern Microsoft will künftig in den Markt für Unternehmenstelefonie vorstoßen

Auf jedem Schreibtisch ein Personal Computer und darauf ein Stück Software aus dem Haus Microsoft - mit dieser Vision startete der Softwarekonzern 1977 in seine Zukunft. Mit einem Anteil von 90 Prozent bei PC-Software hat das Redmonder Unternehmen dieses Ziel mittlerweile so gut wie erreicht. Jetzt kommen die Telefonanlagen in den Büros dran.

Stärker

Entsprechende Produktankündigungen in den Vormonaten hatten bereits angedeutet, dass sich die Gates-Company künftig verstärkt im Markt für Unternehmenstelefonie engagieren will. Ab 2007 soll gemeinsam mit Partnern entwickelte Hardware und Software für Unternehmen auf den Markt kommen, mit der Nutzer des Microsoft Office System über Instant Messaging, Mobil- und Festnetztelefon, Audio-, Video- und Web-Konferenzen und Internettelefon kommunizieren können sollen. Entsprechende Partnerschaften wurden unter anderem mit den den Endgeräteherstellern Hewlett-Packard (HP), Motorola, LG-Nortel und Polycom abgeschlossen.

360-Grad-Rundumblick

Ebenfalls mit Partnern wird auch an Headsets und Webcams für den Einsatz im Büro gearbeitet. Angeboten werden sollen Displays, die bereits mit Mikorofon und Kamera ausgestattet sind. Für Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmern soll es eine Kamera geben, die Bilder in einem 360-Grad-Rundumblick aufnimmt.

"Computerfon"

Microsoft-Software soll dabei die neuen Telefone mit dem Computer verbinden, die dann auch Sprachfunktionalitäten umsetzen können. In der Praxis würde es dann beispielsweise genügen, wenn ein Name in einer Microsoft-Applikation wie Word oder Outlook angeklickt wird, um eine Person anzurufen. "Die Menschen heute sind mit einer Unmenge von Technologien konfrontiert, die voneinander isoliert sind wie Inseln und Bunker", erläutert der Chef von Microsofts Communications Group, Anoop Gupta. "Wir bieten einen Ansatz, der dabei hilft, dieses Problem zu lösen, indem viele dieser Technologien zusammengebracht werden."

Damit stößt der Softwareriese in Bereiche anderer Unternehmensgiganten wie Cisco, Avaya oder Nortel Networks vor, die in den vergangenen Jahren bereits intensiv daran gearbeitet haben, die klassischen Telefonanlagen durch flexiblere und vor allem kostengünstigere auf dem Internet Protocol (IP) basierende Systeme zu ersetzen. Im Unterschied zu Microsoft sind diese mit zahlreichen Produkten allerdings schon im Markt.

Versuche

Der Konsumgüterkonzern Procter &Gamble (P&G) unternimmt bereits erste Versuche, Teile seiner internen Kommunikation mit der auf den Unternehmen-PCs installierten Microsoft-Software zu integrieren. Der Gedanke dahinter sei prinzipiell gut, meinte dazu der IT-Verantwortliche von Procter &Gamble, doch ob man es am Ende tatsächlich konzernweit umsetzen werde, bedürfe noch zahlreicher Diskussionen. Zuvor wolle man sich jedenfalls auch die Lösungen anderer Anbieter anschauen. (red, DER STANDARD Printausgabe, 26. Juni 2006)

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