Des Kaisers guter, gerechter Schlaf

26. Juni 2006, 19:48
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Wenn einer schon überall ist, kann er nicht überall sein - außer der Kaiser vielleicht

Franz Beckenbauer ist eh schon überall, deswegen kann er nicht gleichzeitig überall sein, das leuchtet ein. Obwohl: Wenn das jemandem zuzutrauen wäre, dann sicherlich ihm. Irgendwie scheint er ohnehin schon auf dem Weg zur geläufigen Bilokation. So in sich versunken sitzt er zuweilen im weichen VIP-Stuhl, wie ein entrückter Buddha. Und während er so entrückt wirkt - neben ihm sitzt FIFA-Chef Sepp Blatter, unermüdlich mit sich redend, und feilt daran, was als Senf zu allem und jeden dazukommt -, ist er zumindest in seinen Gedanken längst schon dort, wo er eben auch sein müsste. Im burgenländischen Stegersbach zum Beispiel. Dort coacht nämlich Giovanni Trapattoni den Lothar Matthäus, damit der die Salzburger Bullen coache. Seit neuestem auch einen aus Livorno gekommenen Chilenen. Und er, der doch dort sein müsste, um allen miteinander zu zeigen, wie es geht, er sitzt neben dem schwadronieren den Blatter, sodass er sich nicht einmal genügend konzentrieren kann, um wenigstens Vibrations ins Burgenland zu schicken.

Und wir, wir glauben, Franz Beckenbauer nicke bloß ein wengerl. (DER STANDARD Printausgabe 27.06.2006)

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