"Ich bin eine Piratin"

27. Juni 2006, 17:31
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Staunen, Freude und Weinen bei Special Olympics in Kapfenberg

Kapfenberg - Drei Schritte Anlauf, Wolfgang Kreminger wirft den Ball - und gleich den nächsten, noch bevor die Punkterichter die Weite messen können. "Wolfgang, warte ein bisschen", ruft sein Trainer Tomaa Niemic. "Hob i eh", entgegnet er ungeduldig. 18,52 Meter waren es, das beste Ergebnis, das er beim Schlagball je hatte. "Wolfgang, unglaublich, du hast gerade deine dritte Goldmedaille gewonnen!"Wolfgang strahlt. "Wieder Gold? Danke, das ist sehr nett!"Der 29-Jährige hat Down-Syndrom und ist einer der 1035 Athleten mit geistiger Behinderung bei den Nationalen Sommerspielen der "Special Olympics"in Kapfenberg. Heute, Dienstag, ist der letzte Wettbewerbstag.

"Ich habe noch nie so viele Männer mit Tränen in den Augen gesehen", erzählt Dietmar Rust, Hauptmann beim Bundesheer, das bei der Organisation mithilft. "Zu sehen, wie sich die Athleten freuen, einfach weil sie dabei sein dürfen, berührt."

"Die Special Olympics haben die Sportler und ihre Betreuer motiviert, weiterzutrainieren", freut sich Hermann Kröll, Präsident von Special Olympics Österreich. Rund 160 österreichische Athleten qualifizierten sich für die Weltsommerspiele 2007 in Schanghai.

Freiwillige Helfer

"Ich hab in der Zeitung gelesen, dass wer gebraucht wird, deswegen bin ich da", sagt Manfred Gottlieb, einer der 1000 freiwilligen Helfer. Ich finde, die behinderten Menschen brauchen die Unterstützung von uns Gesunden."Jeden Tag arbeitete er fünf Stunden lang als Streckenposten beim Radrennen.

"Das Herzeigen, was sie können, kann für Menschen mit Behinderung lebensverändernd sein", erzählt Gundula Hauser, verantwortlich für den Pferdesport. "Ich habe bei einem Turnier in Amerika einen kleinen Autisten aus Österreich erlebt. Er sprach nie ein Wort - aber als er dann die Goldmedaille bekommen hat sagte er plötzlich leise ,Thank you'."

Die 15-jährige Tini hat sich verkleidet - "Ich bin eine Piratin"- und wartet gespannt auf die Preisverleihung. Zweimal pro Woche hat sie dafür beim Verein "e.motion"in Wien trainiert - und wirklich: "Der erste Platz beim Voltigieren geht an Christina Teuchmann.""Super ist das", sagt sie verlegen. "Flo!", ruft sie plötzlich und dreht sich weg, ihr eigener Erfolg ist jetzt egal: Gerade hat ihr Freund Florian eine Medaille bekommen. (Evelyn Kanya, DER STANDARD-Printausgabe, 28.06.2006)

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