Mehr Kleine im großen Export

16. Jänner 2007, 17:14
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KMUs entdecken Auslandsmärkte - Ausfuhren übersteigen heuer 100-Milliarden-Euro

Wien - Österreichs Exportwirtschaft glänzt mit Superlativen, die Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl am Monatg entsprechend stolz präsentierte. Neu ist der Trend, dass immer mehr Klein- und Mittelbetriebe den Export für sich entdecken. Leitl sagte: "Die Großen haben schon immer exportiert, aber die Tendenz ist ganz klar. Die Kleinen nehmen ihre Chancen in der Nachbarschaft wahr."

So haben 27 Prozent aller von der Wirtschaftskammer im Export unterstützten Firmen weniger als fünf Mitarbeiter, mehr als 50 Prozent der rund 28.000 Exportbetriebe kommen mit bis zu 20 Mitarbeitern aus. Ziel der Kammer ist es, im kommenden Jahr erstmals 30.000 Exportbetriebe in Österreich zu haben, 370.000 Unternehmen gibt es in Österreich insgesamt.

Heuer dürften die Exporteure erstmals die Schwelle von 100 Milliarden Euro im Warenexport überspringen. Rechnet man auch Österreichs Dienstleistungsexporte dazu - wobei die Statistiker hier auch die Tourismuseinnahmen mit einkalkulieren -, machen die Ausfuhren bereits 60 Pro- zent vom Bruttoinlandsprodukt aus. Dazu sagte Leitl: "Das ist wahrscheinlich den wenigsten Menschen bewusst. Von jedem 100-Euro-Schein verdienen wir Österreicher schon 60 Euro außerhalb unserer Landesgrenzen."

Im Vorjahr konnten die Ausfuhren in alle Welt um 5,4 Prozent gesteigert werden, heuer soll der Export um neun Prozent zulegen. Für den Zeitraum 2000 bis 2006 weist Österreich laut EU-Kommission überhaupt die höchste Exportsteigerungsrate aller EU-Länder auf. Der angepeilte Zuwachs im heurigen Jahr bedeutet nach einer Simulationsrechnung des Wirtschaftsforschungsinstitutes 63.000 neue Arbeitsplätze und zusätzliche Staatseinnahmen von 2,5 Milliarden Euro.

Die Schattenseite der Exportwelt liegt in der weiterhin gegebenen Dominanz des EU-Heimmarktes. Zwar hat die Bedeutung des Haupthandelspartners Deutschland zugunsten der neuen EU-Nachbarn im Osten abgenommen, doch insgesamt gehen noch immer 84 Prozent aller Exporte in die EU-25. Anders formuliert: Nur 16 Prozent aller Exporte Österreichs gehen in Staaten und Regionen außerhalb Europas, wo aber mit den USA und China die dynamischten Wachstumsregionen der Welt beheimatet sind. Entsprechend groß wird von den Export-Experten auch das Wachstumspotenzial in diesen Regionen bewertet.

Erfreulich entwickeln sich neben dem Handel auch die Investitionen. Im Vorjahr investierten Österreichs Betriebe 7,4 Mrd. Euro im Ausland, von dort flossen 7,2 Mrd. Euro an Investitionen nach Österreich.

Leitl: Österreich kauft sich im Ausland ein und wird nicht ausverkauft."Seit 2003 übersteigen die österreichischen Auslandsinvestitionen die ausländischen Direktinvestitionen im Inland. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2006)

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    grafik: statistik austria/standard
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