Klage nach Streit in Kroatien

27. Juli 2006, 13:49
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Der Kauf einer Immobilie in Zagreb beschert der Klagenfurter Hypo Alpe-Adria-Bank Streit mit einer slowenischen Ge­sellschaft, diese klagt

Wien – Die Hypo Alpe-Adria-Bank hat es derzeit nicht leicht. Abseits des FMA-Verfahrens wegen der Swap-Verluste und der Vorerhebungen gegen drei Vorstandsmitglieder und den Treasury-Exchef, erhebt die slowenische Gesellschaft Cefing AG schwere Vorwürfe gegen die Kärntner. Sie klagt, behauptet einen Schaden von 40 Mio. Euro und will diesen ersetzt wissen.

In einem Schreiben an die Generalprokuratur und an Finanzminister Karl-Heinz Grasser wirft die Cefing, namentlich deren Aufsichtsratschefin Olga Filakovic, den Kärntnern eine Palette an Verfehlungen vor. Die Bank habe mit "gestohlenen Immobilien gehandelt", heißt es in dem Schreiben, zudem habe sie die Immobilien mit falschen Werten in der Bilanz 2005 verbucht. "Absicht" der Hypo sei es gewesen, beim "Wiederverkauf einen Profit von mindestens zehn Mio. Euro zu verwirklichen." Von "Bilanzfälschung" ist ebenso die Rede wie davon, dass die Hypo "ihre Investoren und Gläubiger betrogen" und das österreichische Finanzministerium "beschwindelt" habe. Die Hypo Alpe-Adria (HAA) weist alle Vorwürfe zurück. Es geht um einen Grundstückskauf im Jahr 2005. Damals haben die Kärntner im kroatischen Zagreb einen Bürogebäude-Komplex gekauft; Verkäufer war laut den Klägern der slowenische Staatsbetrieb Cimos. Gezahlt haben die Kärntner angeblich 5,2 Mio. Euro; den Rest (1,3 Mio.) wollten sie zahlen, sobald sie im Grundbuch wären.

Spätestens an diesem Punkt beginnt der Streit. Denn die Cefing AG (sie hat Aktionäre in Osteuropa und Kroatien) behauptet, sie – und nicht Cemos – sei seit 1991 der wahre Eigentümer der Liegenschaft gewesen. Cefing habe einst 22,6 Mio. Euro für die Immobilie gezahlt, sei aber nie ins Grundbuch eingetragen worden. Die Eintragung der Hypo ins Grundbuch sei, so die Slowenen in ihrem Brief an Grasser, "durch Korrumpierung von Richtern und anderen Personen, die politischen Einfluss in der Republik Kroatien haben" erfolgt. Der Succus der komplizierten Darstellung: Die Hypo habe der Republik Slowenien und der damals staatlichen (später insolventen) Cimos AG geholfen, Cefing ihre 5000 Quadratmeter große Liegenschaft wegzunehmen. Aufsichtsrätin Filakovic, die von Toronto aus agiert: "Wir haben das Hypo-Management von Beginn an informiert, dass die Liegenschaft uns gehört. Die Hypo muss unseren Schaden bezahlen."

Der für die Causa zuständige Chef der kroatischen HAA-Consultance, Damir Farkas, erklärt diese so: "Die Geschichte geht auf die Zeiten Jugoslawiens zurück. Nachdem die Staaten geteilt waren und nach mehreren Transaktionen haben wir die Liegenschaft von einer slowenischen Gesellschaft namens Berny gekauft, die war Eigentümer." Man sei nur „in einen Streit zwischen zwei slowenischen Gesellschaften geraten". Die Hypo habe beim Kauf "natürlich darauf bestanden, ins Grundbuch zu kommen – und das geschah auch."

Mit Geldwäsche, von der die Slowenen sprechen, oder mit Bilanztricks habe das laut Farkas nichts gemein: "Wir haben gekauft, Eigentum erworben, alles voll bezahlt und versteuert. Der Rest der Geschichte hat mit uns nichts zu tun." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2006)

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    Slowenen klagen die Kärntner Hypo.

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