EU-Guide zur Kindersicherheit

26. Juni 2006, 17:36
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Erster europäischer Good Practice Guide präsentiert - Initiativen von "Große schützen Kleine" gewürdigt

Graz/Wien - Der erste europäische Good Practice Guide zur Kindersicherheit wurde am Montag im Rahmen der ersten "European Conference on Injury Prevention and Safety Promotion" in Wien präsentiert. Der Guide umfasst 15 Projekte aus EU-Mitgliedsstaaten, die dazu beigetragen haben, die Kinderunfallzahlen zu senken. Darunter finden sich auch drei aus Österreich, die von "Große schützen Kleine" - dem Österreichischen Komitee für Umfallverhütung im Kindesalter - initiiert wurden.

Häufigste Todesursache

Unfälle sind in allen EU-Mitgliedsländern die häufigste Todesursache bei Kindern. Rund 20.000 Kinder unter 15 Jahren sterben jährlich an den Folgen. In Österreich habe die Zahl der tödlichen Kinderunfälle in den vergangenen Jahren aber abgenommen, so Gudula Brandmayr, Projektleiterin bei "Große schützen Kleine". Von 1983 bis 2004 konnte die Zahl um 77 Prozent gesenkt werden. "Wir wissen nun, welche Initiativen wirken - nun wollen wir es über den Guide auch anderen Ländern weitergeben", erklärte Brandmayr.

Die ausgewählten EU-Projekte reichen von Aktionen zur Sicherheit im Straßenverkehr wie in Frankreich und Portugal, über Radfahrhelm-Initiativen in Dänemark und England bis zur in Griechenland und Island ausgeübten Prävention von Ertrinkungsunfällen.

"Kindersicherheitsbox"

Zu den österreichischen Projekten gehört die "Kindersicherheitsbox". Mehr als die Hälfte aller Kinderunfälle geschieht zu Hause - so erstellte das Komitee eine Schachtel mit elf Sicherheitseinrichtungen. Mit Unterstützung des Landes Steiermark ließ man die Box rund 16.000 Familien zukommen. Die Eltern mussten die Schachtel allerdings selbst anfordern. "Die Box mit Heimrauchmelder, Fenstersicherungen, u. ä. war so beliebt, dass wir heute noch zwei, drei Anrufe pro Tag von Müttern und Vätern erhalten, die auch eine haben wollen", so Brandmayr. Das Projekt zeige auch, dass eine Änderung der Wohnbauordnung in Österreich notwendig sei. Die Nachfrage der Eltern würde eine Anpassung in Richtung kindersicherer Wohnbau rechtfertigen, meinte die Projektleiterin.

"Erste Fahrt - Sichere Fahrt"

Unter dem Titel "Erste Fahrt - Sichere Fahrt" wurde 1992 in allen steirischen Geburtenstationen ein Kindersitzverleih eingerichtet. Vier Jahre darauf folgte Vorarlberg, 1999 auch Kärnten. "Mittlerweile benutzen rund 90 Prozent der Eltern einen Babysitz beim Autofahren", berichtete Brandmayr. 2003 wurde die Beratung zur Kindersicherheit durch den Kinderarzt verpflichtender Bestandteil der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen. "Große schützen Kleine" entwickelte "Kindersicherheit auf Rezept"-Infoblätter zum Abreißen, um Eltern in ganz Österreich über die häufigsten Unfallbereichen zu informieren. Weiters wurde auch ein entsprechendes Handbuch für Ärzte konzipiert. (APA)

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