"Aufpassen, dass man nichts für die künftige Entwicklung verbaut"

19. Juli 2006, 15:36
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Dass er nicht wieder in den Nationalrat kommen wird, schmerzt ihn nicht, sagt GPA-Chef Katzian im STANDARD-Interview

Dass er nicht wieder in den Nationalrat kommen wird, schmerzt ihn nicht, dass die ÖGB-Reform anders läuft, als vorgeschlagen, auch nicht, sagt Wolfgang Katzian im Gespräch mit Conrad Seidl.

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STANDARD: Nach der Klausur vom Wochenende hat man den Eindruck, vom ÖGB bleibt nicht einmal eine Adresse über. Verschwindet der ÖGB von der Bildfläche?

Katzian: Wir sind ja nicht obdachlos, da wird es eine neue Adresse geben. Zurzeit werden drei mögliche Objekte bewertet ...

STANDARD: Dass alle Gewerkschaften auch physisch unter ein Dach kommen, wird aber nicht passieren, schon gar nicht an der Adresse der GPA?

Katzian: Wenn ich Kollegen Hundstorfer richtig verstanden habe, strebt er schon an, dass an der neuen Adresse möglichst viele Gewerkschaften integriert werden. In unserem derzeitigen Haus kann das nicht sein, weil es zu klein ist.

STANDARD: Bei den Organisationsmodellen gab es ja mehrere Varianten – ihre aus der Sicht der GPA war: alle zu einer großen Gewerkschaft zusammenzufassen. Durchgesetzt hat sich aber im Gegenteil, dass die Einzelgewerkschaften stärker werden sollen.

Katzian: Es ist immer so: Wenn man Vorschläge macht, braucht man auch Mehrheiten. Aber der Zweck der Klausur – und was ich gut gefunden habe – war: dass die einzelnen Personen die Bilder, die sie im Kopf haben, vorgestellt haben, dass sie nach Vor- und Nachteilen bewertet wurden.

Zum Bild, das wir hatten, haben eigentlich alle gesagt: "Das ist ein Zukunftsmodell." Aber da es nicht fertig ist, gibt es viele Fragen, die offen sind – daher ist es nicht schnell umsetzbar. Das Modell mit der Fortsetzung der Fusionen kann sofort angegangen werden.

Wir haben ja zugleich ein paar andere sehr wichtige Fragen zu bearbeiten: Die Aufarbeitung des Kriminalfalls, die Finanzsituation, die rasche Handlungen erfordert.Da macht man bei der Strukturreform halt die Dinge, die gleich gehen – ohne die Visionen aus dem Auge zu verlieren. Ich bin da nicht böse darüber.

STANDARD: Das heißt aber: Mit dem Bundeskongress 2007 ist die Reform nicht abschließbar?

Katzian: Ich glaube, dass Organisationsentwicklung nie abgeschlossen ist. Das ist ein permanenter Prozess – in zwei Jahren können die Rahmenbedingungen völlig anders ausschauen. Man muss nur aufpassen, dass man sich mit den Richtungen, die man jetzt einschlägt, nichts für die künftige Entwicklung verbaut.

STANDARD: Präsident Hundstorfer managt das richtig?

Katzian: Unter den Rahmenbedingungen, die wir hier vorfinden, macht er das okay. Wenn er das ordentlich macht, soll er auch kandidieren und gewählt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 27. Juni 2006)

Zur Person

Wolfgang Katzian (49), GPA-Vorsitzender und seit März Nationalrats- abgeordneter.

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    GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian.

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