Politische Rückendeckung für Pipelineprojekt Nabucco

4. Juli 2006, 12:19
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Nach jahrelangen Diskussionen sind die Weichen für die Gaspipeline gestellt

Wien - Die Gasversorgung Europas wird auf eine breitere Basis gestellt, die einseitige Abhängigkeit des alten Kontinents von Russengas verringert. Ab 2011 soll über eine neue Pipeline namens Nabucco bis zu 30 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr vom türkisch-iranisch-azerbaidschanischen Grenzgebiet nach Österreich und in andere EU-Staaten gelangen. Darauf haben sich die Energieminister der am Projekt beteiligten Länder Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Türkei bei einer Regierungskonferenz am Montag in Wien geeinigt.

Mit der Türkei seien noch Detailfragen zu klären, hieß es in Verhandlungskreisen, vom Grundsatz her sei die Türkei aber mit im Boot. Und das ist auch notwendig, denn der EU-Kandidat liegt geografisch an einer heiklen Stelle. Das Land grenzt im Osten an eine Region, die zusammen genommen über die weltgrößten Gasreserven verfügt: Iran, Irak, Katar und - nicht zu vergessen - der kaspische Raum.

EU-Energiekommissar Andries Piebalgs, der ebenfalls an der Konferenz teilgenommen hat, wies auf die Bedeutung des Pipelineprojekts hin. Damit könne die einseitige Abhängigkeit Europas vom Goodwill Moskaus reduziert werden. Russland deckt derzeit etwa ein Viertel des gesamten Gasbedarfs der EU ab, Österreich hängt zu etwa 60 Prozent von Gaslieferungen aus Russland ab.

Die Baukosten für die 3400 km lange Nabucco-Leitung, die unter Federführung der OMV realisiert werden soll, belaufen sich auf rund 4,6 Mrd. Euro. Inklusive Finanzierungskosten könnten es fünf Mrd. Euro werden. "Falls es keine Verzögerungen wegen Umwelteinsprüchen gibt. Andernfall könnte sich das Projekt nochmals verteuern", sagte Wolfgang Roth, Vizepräsident der mitfinanzierenden Europäischen Investitionsbank, dem Standard.

Die EIB werde etwa 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten finanzieren und auch versuchen, die Europabank EBRD und die Weltbank mit ins Boot zu holen. Die Frage der Langfristverträge hält Roth für lösbar: "Man wird sich auf einen Kompromiss einigen".

Die beteiligten Gasgesellschaften bestehen auf möglichst langjährigen Verträgen mit Großabnehmern, andernfall ließe sich das Projekt nicht ökonomisch darstellen. In Brüssel wird befürchtet, dass dadurch der Wettbewerb eingeschränkt wird. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2006)

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