Giambologna-Schau im KHM

26. Juni 2006, 17:12
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Kooperation mit Florenz: Ausstellung mit Hauptwerken des flämisch-italienischen Renaissance-Bildhauers

Wien - "Neben Michelangelo der größte Bildhauer seiner Zeit" - so die Vorstellung von Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museum (KHM), bei der Pressekonferenz zur Ausstellung "Giambologna. Triumph des Körpers" (27. 6. bis 17. 9.). Schon zu Lebzeiten berühmt, gestaltete der viel beschäftigte Künstler Brunnenfiguren, marmorne Statuen und Bronzen. Das Credo des Flamen Jean Boulogne (1529 - 1608) galt der Suche nach der perfekten Pose, wie die Skulpturen aus dem KHM-Bestand und dem Florentiner Museo Nazionale des Bargello belegen.

"Michelangelo kennt jeder", so die Kuratorin der Ausstellung, Claudia Kryza-Gersch. "Um den 'David' zu sehen, nimmt man als Tourist Warteschlangen in Kauf, und bekommt doch nur eine Kopie zu sehen. Giambolognas 'Raptus-Gruppe' dagegen kann man zu jeder Zeit und umsonst bewundern." Dabei handelt es sich um eine monumentale Marmorskulptur, die der im Alter von zwanzig Jahren nach Rom gekommene Giambologna für die Loggia dei Lanzi in Florenz schuf, wo sie bis heute steht. Im Bestand der KHM-Kunstkammer befindet sich eine früher entstandene Bronze, die dem Künstler als Vorstudie diente. Die Zwei-Figuren-Plastik gilt, wie viele von Giambologna, als Meisterwerk der Schönheit in Kombination mit Statik.

Allansichtigkeit als Prinzip

Es gelang dem gebürtigen Flamen, rasch das übermächtige Vorbild Michelangelos zu überwinden, und einen eigenen Stil zu kreieren, der prägend für Europa bis in das 17. Jahrhundert blieb. Im Zentrum seines Schaffens stand das Ziel der "Allansichtigkeit", die gewährleisten sollte, dass seine ästhetischen und großteils nackten Figuren zum darum herumgehen einladen sollten, und aus jeder Perspektive spannend und dynamisch zu wirken hatten. So schuf Giambologna wie schwerelos wirkende Figurengruppen, die in in komplizierten Verschlingungen eine "figura serpentinata" ergeben.

Ein Paradebeispiel für eine solche Gruppe ist "Raub der Sabinerin", ebenfalls in der Loggia dei Lanzi beheimatet: Über einen geduckten älteren Mann erhebt sich ein athletischer Jüngling, der eine sich windende Frau hochhebt. Wenn man das Werk umrundet, verleihen die Verschlingungen der Körper und der fließende Übergang zwischen den verschiedenen Blickpunkten die Illusion einer dramatischen Handlung. Den Namen gab Giambologna seinem Werk übrigens erst später. Ihn interessierte dabei weniger der Inhalt, als die statische Herausforderung. Im KHM ist ein bronzener Abguss zu sehen, der nicht mit Sicherheit aus der Werkstätte Giambolognas stammt.

"Fata Morgana" aus Privatbesitz

Weitere bedeutende, im KHM gezeigte Bronzen sind die "Venus nach dem Bade", "Herkules und der Erymanthische Eber" und der "Fliegende Merkur", der tatsächlich aussieht, als würde er sich gleich in die Lüfte erheben. Aus Privatbesitz stammt die Leihgabe "Fata Morgana", eine Marmor-Figur, die einst für eine künstliche Grotte gestaltet wurde.

Kuratorin Kryza-Gersch wünscht dem Meister Giambologna, der viele Statuen im Auftrag der Medici anfertigte, jedenfalls "mehr Ruhm, denn er ging mit diesen wunderschönen Werken an die Grenzen der Möglichkeiten einer Skulptur". (APA)

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khm.at
  • Drehbewegung: die 
sogenannte Cesarini Venus,  
Florenz um 1586
    foto: khm

    Drehbewegung: die sogenannte Cesarini Venus, Florenz um 1586

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