Alonsos Dank gilt den Pneus

28. Juni 2006, 16:18
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Schumachers Strategie für zweite Saisonhälfte lautet "Angriff" - Alonso könnte im Sommer als erfolgreicher Titelver­teidiger feststehen

Montreal - Vor der Rückkehr der Formel 1 an den Ort der großen Blamage spielen die Pneus im WM-Titelkampf wieder eine entscheidende Rolle. "Alles hängt von der Reifensituation ab", betonte Rekordweltmeister Michael Schumacher mit Blick auf seine Siegchancen im US-Grand-Prix am Sonntag (Start: 20:00 Uhr MESZ/live ORF 1, RTL und Premiere).

Während der deutsche Ferrari-Star in Kanada zwei weitere wertvolle Zähler im Titelkampf einbüßte, wusste der überlegene WM-Spitzenreiter Fernando Alonso, bei wem er sich nach seinem ersten "fantastischen Sieg" in Montreal und dem insgesamt 100. Triumph für Michelin zu bedanken hatte. "Sie haben uns einen fantastischen Reifen zur Verfügung gestellt", galt sein Dank in erster Linie dem französischen Reifenkonzern, der mit Saisonende aus der Königsklasse des Motorsports aussteigen wird.

Nächste Saison Einheitsreifen

"Wir müssen sehen, dass wir auf den meisten Strecken die Oberhand behalten können", forderte Schumacher vom Ferrari-Partner Bridgestone für die zweite Saisonhälfte. In den letzten neun der 18 Saisonrennen wird es zum vorläufig letzten Mal auf das "schwarze Gold" ankommen, im nächsten Jahr kommt bekanntlich der (Bridgestone-)Einheitsreifen, dann sind Skandale wie vor zwölf Monaten in Indianapolis ausgeschlossen.

Damals durften die Michelin-Autos nach einer Unfallserie im Mekka des US-Motorsports nicht starten, denn ihre Gummimischungen boten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke nicht den nötigen halt. Schumacher feierte deshalb in "Indy" seinen einzigen Saison-Sieg, für den Spanier Alonso war es das bisher letzte Rennen ohne Zielankunft.

Schumacher hält Chancen aufrecht

In diesem Jahr ist Schumachers Ferrari weitaus konkurrenzfähiger. So stark und beherzt wie in Montreal fährt nur einer, der im Kampf um den WM-Titel noch lange nicht aufgegeben hat. Mit großer Moral erhielt sich Schumacher im Grand Prix von Kanada als Zweiter hinter dem sechsfachen Saisonsieger Alonso seine Mini-Chance auf den achten WM-Titel: "Die Hoffnung darf man nicht aufgeben. Mathematisch ist noch alles möglich."

Rein rechnerisch könnte Renault-Pilot Alonso mit sechs weiteren Siegen ausgerechnet im Ferrari-Heimrennen am 10. September in Monza erneut Weltmeister werden. Beim Großen Preis von Italien will Schumacher verkünden, ob er weiterfahren oder aufhören wird. Der mit 37 Jahren dienstälteste Fahrer im Feld kündigte vor den vielleicht letzten Rennen seiner einmaligen Karriere an: "Wir fahren voll auf Angriff. Mal schauen, was dabei rauskommt."

Räikkönen resigniert

Andere Fahrer und Teams haben angesichts der Stärke von Renault bereits klein beigegeben. "Wir fahren nicht mehr um den Titel, sondern nur noch um den Sieg", sagte McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug warf angesichts eines Rückstands von 45 Zählern das Handtuch: "Ich glaube nicht, dass wir bei diesem Punktestand vom WM-Titel reden können." In der Marken-Wertung sind die Silberpfeile mit 65 Punkten auch nur dritte Kraft hinter Renault (121) und Ferrari (87).

Red Bull Racing hält dagegen nach dem achten Platz von David Coulthard in Kanada nun bei insgesamt neun Zählern und ist damit bei Halbzeit nur die Nummer acht der Konstrukteure. Allerdings fehlen auf Toyota (11) und Williams-Cosworth (10) nur zwei bzw. ein Punkt, womit der angestrebte sechste Platz für Österreichs F1-Team weiter locker zu schaffen ist. (APA/dpa)

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    Alonso wird von seinem Team gefeiert.

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