Gaming als Lernen der Zukunft

20. Oktober 2006, 10:37
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Richard Straub, Präsident der European eLearning Industry Group, im Interview über die Umsetzung neuer Lernmethoden

Richard Straub arbeitet als Präsident der European eLearning Industry Group eng mit der EU-Kommission zusammen. Im Gespräch mit Bernhard Madlener schildert er deren Ansprüche und beschreibt aktuelle und zu erwartende technologische Entwicklungen.

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STANDARD: Wie steht die EU-Kommission zum E-Learning?

Richard Straub: Neues Wissen verlangt neue Lernmethoden. Man muss Interaktion schaffen und Simulationsprogramme entwickeln. Wir müssen wettbewerbsfähig sein, und nur mit Innovation schafft man Jobs. In diesem Sinne ist die Kommission interessiert.

STANDARD: Wer soll mit E-Learning "beglückt" werden?

Straub: Allgemein geht es um lebenslanges Lernen, was unterschiedliche Anforderungen birgt. Firmen wollen z. B., dass ihre Mitarbeiter die Skills haben, die sie gerade brauchen, haben aber kein Interesse, abseits dessen auszubilden. Der Einzelne, der ja sein Können verkaufen muss, hat das schon. Wer die Skills und Networks hat, kann auf dem Markt reüssieren. Als Wissensarbeiter ist man dafür selbst verantwortlich. Das ist ganz wichtig: Wissensarbeit ist jetzt the name of the game!

STANDARD: Und wie setzt man das Ganze weit reichend um?

Straub: Die Kommission gibt viel Geld für lebensnahe Implementierungen aus. Innovation bedeutet ja: etwas, das umgesetzt wird. Eine neue Initiative sind die "Living labs" - lebende Laboratorien. Da machen tausende User mit, notwendige Adaptierungen passieren quasi in Echtzeit aufgrund des Feedbacks.

STANDARD: Man loggt sich ein, sucht Infos, kommuniziert?

Straub: Nein, es wird immer mehr ein Informer-Learning: Lernen gehört zum Job, die Technologie schafft Möglichkeiten, das nicht dem Zufall zu überlassen. Es gibt z. B. Push-Elemente, da präsentiert das System Infos, weil es die Anforderungen über ein User-Profil kennt. Wir haben auch Tools, wo Leute mit Instant Messaging Communitys bilden. Man schickt etwas aus, und an alle ergeht eine Nachricht: "Wollen Sie beitreten?" Manche sagen ja - die arbeiten zusammen und helfen bei Anfragen aus. Diese Technologien spielen mit Blogs, Wikis und anderen zusammen.

STANDARD: Wie drückt sich das in Schulen, FHs usw. aus?

Straub: Am Anfang war alles ähnlich dem klassischen Lernen, nur eben elektronisch. Dann gab es bessere Interaktion, jetzt kommen kreative Elemente. Der Lernende hat immer mehr Möglichkeiten, seinen Stoff aufzubereiten. Das bedeutet nicht, dass ein Kind sein eigenes Lehrbuch schreibt, aber es kann ein Blog führen und sagen, so lerne ich - und andere geben Input. Der Lehrer stellt den Kernstoff sicher, bringt aber auch bei, wie man die kreative Freiheit sinnvoll nützt. Die Grundlagen muss man sich nach wie vor schwitzend erarbeiten.

STANDARD: Wo sehen Sie Potenzial für die Zukunft?

Straub: Die jetzige Generation wächst mit Computer-Games auf. Man hat schon gute Forschungsergebnisse, um komplexe Aufgabenstellungen gut über Spiele darzustellen, und die Jungen lernen super über Spiele, bei denen man bestimmte Probleme lösen muss. Da erwarte ich noch sehr viel. (DER STANDARD Printausgabe, 24./25. Juni 2006)

Zur Person

Richard Straub ist Präsident der European eLearning Industry Group, die stark mit der EU-Kommission zusammenwirkt, und arbeitet für die IBM Learning Solutions Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

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    foto: standard/corn
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