"Keine Systemkrise bei heimischen Banken"

17. Juli 2006, 11:15
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Ungeachtet der Skandale und der Unsicherheit der Finanzmärkte haben sich die österreichischen Banken im ersten Quartal 2006 prächtig entwickelt

Wien - Der österreichische Bankensektor steht trotz der gestiegenen Volatilität auf den internationalen Finanzmärkten und der Bankenskandale der vergangenen Monate relativ gut da: "Wir sehen Einzelbankprobleme, aber keine Systemkrise des österreichischen Bankensystems", stellte Nationabankdirektor Josef Christl bei der Präsentation des elf- ten Finanzmarktstabilitätsberichts am Montag fest.

Die Rentabilität der österreichischen Banken habe sich deutlich verbessert: Nicht nur im operativen Bereich seien Zuwächse zu verbuchen gewesen, sondern auch hinsichtlich der Eigenmittelausstattung von 12,7 Prozent und der Krisenfestigkeit hätten sich die heimischen Kreditinstitute verbessert. Das Bankensystem sei insgesamt in einem guten Zustand, was auch aus dem kürzlich erschiene- nen Standard &Poor's-Rating "Bank Industry Risk Analysis Austria"hervorgeht.

Über 30 Prozent des Vorsteuergewinns machen die österreichischen Kreditinstitute mittlerweile im zentral- und osteuropäischen Raum, der Anteil am dortigen Gesamtmarkt beträgt 16 Prozent. Neben der zunehmenden Abhängigkeit von den Renditen ihrer Osttöchter sei das Ostgeschäft auch mit anderen Risken verbunden: Junge Märkte wie Rumänien, Bulgarien oder Kroatien hätten zwar ein größeres Wachstumspotenzial als die neuen EU-Mitgliedsländer, den höheren Bankerträgen würde aber auch ein höheres Risiko gegenüberstehen.

Die Stabilität des Finanzmarkts hänge auch noch von anderen Faktoren ab, erklärte Christl: Neben einem weiteren Anstieg des Ölpreises seien die steigende Zinsenbelastung für Unternehmen und die anhaltenden Kursverluste auf den Aktienmärkten potenzielle Risikofaktoren. Die Renditen waren in den vergangenen Monaten angesichts der Konjunkturerholung gestiegen, das Zinsniveau blieb niedrig. Der Aufwärtstrend an den internationalen Börsen wurde im Mai 2006 schlagartig unterbrochen - seit dem Vormonat hat der ATX rund 19 Prozent verloren.

Binnennachfrage steigt

Die höheren Gehaltsabschlüsse der Tarifrunden sollten sich allmählich in einem gestärkten Konsumentenvertrauen und einer Belebung des Privatkonsums niederschlagen, heißt es im Bericht. "Es ist erfreulich, dass die Binnennachfrage wieder anzieht", merkt Christl an. Problematisch sei nur, dass Fremdwährungskredite im Privatbereich weiter steigen, während Unternehmen immer weniger auf diese risikoreiche Anlageform setzen. (mdj, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2006)

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