Bawag wäre ohne Hilfe Risiko für Finanzmarkt gewesen

11. Juli 2006, 12:44
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OeNB: BAWAG zählt zu den 20 systemrelevanten Banken - Christl: Trotz aktueller Problemfälle Finanzmarktstabilität weiterhin gewährleistet

Wien - Das öffentliche Gut "Finanzmarktstabilität" wäre in Österreich ohne Bundesgarantie und Bankenhilfe für die angeschlagene Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. gefährdet gewesen, sagte der Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Josef Christl, am Montag bei der Präsentation des elften Finanzmarktstabilitätsberichtes der Nationalbank in Wien.

Die dazu Befugten hätten reagiert, und das habe gewirkt. Ohne diese Hilfen wäre zwar "vielleicht gar nichts passiert, vielleicht aber auch sehr viel, das weiß man nicht". Laut Christl handelt es sich bei der BAWAG um eine "systemrelevante" Bank, zu denen die Nationalbank die 20 nach Bilanzsumme größten Institute zählt.

Beide aktuellen Bankenproblemfälle - BAWAG und Hypo Alpe Adria - würden insofern Ähnlichkeiten aufweisen, als es - in unterschiedlichem Ausmaß - Schwächen in der Unternehmenskultur, der Corporate Governance, gegeben habe, so Christl weiter. Das habe die Nationalbank auch in ihrem Prüfbericht konstatiert.

Keine Systemkrise

Trotz der beiden Einzelproblemfälle BAWAG und Hypo Alpe-Adria-Bank sieht die Nationalbank derzeit keine Systemkrise des österreichischen Bankensystems. Durch das "recht erfolgreiche" Agieren der Finanzintermediäre sei die Finanzmarktstabilität in Österreich weiterhin gewährleistet, so Christl. Sie werde zudem von der robusten internationalen Konjunktur gestützt.

Potenzielle Risikofaktoren für die Finanzmarktstabilität sieht Christl in abrupten Reaktionen der Finanzmärkte auf die anhaltenden weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte, steigenden Ölpreisen, weiteren Kursverlusten an den Aktienmärkten, der zunehmenden Abhängigkeit der österreichischen Bankenerträge von Osteuropa, der steigenden Zinsbelastung für Unternehmen und Haushalte sowie der hohen Fremdwährungsverschuldung der privaten Haushalte.

OeNB möchte Stiftungsrecht geändert sehen

Der OeNB ist die durch das Stiftungsrecht ermöglichte Auslagerung von Geldvermögen in steuerschonende Stiftungen - um sie damit gleichzeitig dem Zugriff etwaiger Gläubiger zu entziehen - offenbar ein Dorn im Auge. "Wir sind mit der bestehenden Regelung nicht wirklich zufrieden", sagte Christl.

Auf die Frage, ob es da nicht rechtliche Änderungen geben sollte, meinte Christl: "Wir denken darüber nach." In welche Richtung die Änderungen gehen könnten, wollte Christl nicht beantworten. Das Finanzmarktkomitee, bestehend aus Finanzministerium, Aufsicht und Nationalbank, beschäftige sich mit der Frage, welche Schlussfolgerungen auf Grund der jüngsten Ereignisse zu ziehen seien. (APA)

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    OENB-Direktor Josef Christl sieht in BAWAG und Hypo Alpe Adria Schwächen in der Unternehmenskultur.

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