Spanien - Frankreich als WM-Jubiläum

27. Juni 2006, 23:28
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Im Vergleich der Generationen Raul auf Rekordjagd, Reals Klubkollege Zidane kehrt zurück

Wien/Hannover - Das Achtelfinale Spanien - Frankreich am Dienstag in Hannover (21 Uhr) ist das insgesamt 700. Spiel in der Geschichte von WM-Endrunden, aber erst das erste der zwei Länder in einem FIFA-Turnier. Das Duell verspricht nicht nur wegen des K.o.-Systems, sondern auch wegen der Historie Spannung und Brisanz. Zwei der bisherigen 27 Partien sind da unvergesslich: 1984 gewannen die Tricolores das EM-Finale gegen die Iberer 2:0 und 2000 das EM-Viertelfinale 2:1. Die Madrider Presse fordert daher: "Rache für Arconada!"

Torhüter Luis Miguel Arconada hatte mit einem kapitalen Fehler Michel Platini vor 22 Jahren zum Führungstreffer verholfen. Und das bisher jüngste Treffen vor sechs Jahren hatte auch einiges zu bieten. Da vergab Raul in der letzten Minuten einen Elfer zum Ausgleich. Diesmal möchte der Stürmer an seinem 29. Geburtstag positive Schlagzeilen schreiben. In seinem 100. Länderspiel (bisher 44 Treffer) könnte der Real-Star mit seinem sechsten Endrunden-Treffer zum alleinigen WM-Rekordschützen seiner Heimat avancieren.

Spanien, der seit nunmehr in 25 Länderspielen in Serie unbesiegte "Weltmeister der Gruppen-Phase" (drei Siege in Gruppe H/8:1 Tore), wird nach dem "Schlafwagen-Fußball" (El Mundo) und der "Siesta" (ABC) gegen Saudi-Arabien (1:0) im letzten Duell der Runde der letzten 16 natürlich die erste Garnitur aufbieten. Und zu dieser dürfte anstelle Luis Garcias diesmal wieder Kapitän Raul zählen. Der "gallische Hahn" reißt die Spanier aus ihrer Lethargie und Luis Aragones feuerte seine Truppe an: "Die eigentliche WM beginnt erst jetzt. Ich bin sicher, wir kommen weiter", sagt der Teamchef.

Übrigens hat auch Aragones mit seinen rassistischen Äußerungen gegenüber Thierry Henry zu den Lasten der Vergangenheit beigetragen. Die Affäre ist aber längst ausgeräumt. Die Zuversicht des Europameisters von 1964, der erst einmal (1950) das WM-Halbfinale erreichte, steht im Mittelpunkt. "Wir denken nicht an die Vergangenheit, nur an die Gegenwart. Die Franzosen sind sehr stark, aber sie haben auch Schwachpunkte, die wir nützen werden", meinte Innenverteidiger Pablo Ibanez und Stürmer David Villa fügte hinzu: "Wir haben Respekt, aber die Franzosen waren in ihrer Gruppe nur Zweite - das heißt, dass ein Team besser war." Carlos Puyol sagte: "Wir befinden uns in blendender Form, wir sind eine geschlossene Einheit, das ist das Wichtigste."

Die Iberer, auf deren rechter Mittelfeldseite Cesc Fabregas für Marcos Senna spielten dürfte, gehen ausgeruhter ins Spiel. Nicht nur, weil die "Roten" im Schnitt fünf Jahre jünger als die ins Fußballalter gekommenen Stars sind, sondern weil die "Les Blues" noch im letzten Gruppen-Spiel um den Aufstieg hart kämpfen mussten. Dafür sind aber Verteidiger Eric Abidal und Zinedine Zidane, die beim 2:0 gegen Togo gesperrt waren, wieder dabei. Es wird erwartet, dass Teamchef Raymond Domenech ein 4-5-1-System mit Thierry Henry als Solospitze aufbieten wird.

"Die Spanier verfügen über ein starkes Team mit tollen Spielern, die viele Tore erzielt haben. Ich weiß nicht, wo ihre Schwächen liegen - wir müssen sie erst herausfinden. Ein perfektes Spiel meiner Mannschaft ist erst am 9. Juli gefragt", meint Domenech, der von der Fortsetzung der Frankreich-Serie gegen den Nachbarn offenbar überzeugt ist. Der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000, der vor vier Jahren nach der Gruppen-Phase ausgeschieden war, ist in Bewerbspielen gegen die Spanier seit fünf Partien, seit dem EM-Viertelfinale unbesiegt.

Damals, am 25. Juni 2000 in Brügge, hatte Regisseur Zidane mit einem verwandelten Freistoß zum 1:0 vor der Pause den 2:1-Sieg der Franzosen eingeleitet. "Das war war ein sehr gutes Spiel, vielleicht meine beste Leistung, die ich je im Nationalteam gezeigt habe", erinnert sich der 34-jährige "Zizou". Eine ähnliche Gala ist dem einstigen "Galaktischen", der seine Karriere nach der WM endgültig beendet, auch diesmal zu wünschen. Der elfte Sieg im 28. Länderspiel gegen Spanien (elf Erfolge/sechs Remis) würde Zidanes Abschied um ein weiteres Spiel "verzögern".(APA/Reuters/AFP)

  • SPANIEN - FRANKREICH (Niedersachsen-Stadion, 21 Uhr, Schiedsrichter Roberto Rosetti/Italien):

    Spanien: 1 Casillas - 15 Ramos, 22 Pablo, 5 Puyol, 3 Pernia - 18 Fabregas, 14 Alonso, 8 Xavi - 9 Torres, 7 Raul, 21 Villa

    Frankreich: 16 Barthez - 19 Sagnol, 15 Thuram, 5 Gallas, 3 Abidal - 22 Ribery, 4 Vieira, 6 Makelele, 10 Zidane, 7 Malouda - 12 Henry

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