Referee Iwanow steht schlecht da

26. Juni 2006, 14:49
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Portugal vs. Niederlande brachte WM-Rekord an Roten Karten, nun muss der Russe von beiden Seiten und FIFA-Boss Blatter Kritik einstecken

Nürnberg - Der russische Fußball-Schiedsrichter Walentin Iwanow hat am Sonntagabend im WM-Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden das gemacht, was ein guter Unparteiischer nie machen sollte: Er hat die Rolle des Hauptdarstellers übernommen. Iwanow, der bereits im Gruppenspiel Frankreich - Schweiz (0:0) einen unsicheren Eindruck gemacht hatte, verteilte nicht weniger als vier Gelb-Rote sowie acht Gelbe Karten und erntete für diesen neuen WM-Rekord harte Kritik von allen Seiten. Sogar FIFA-Präsident Sepp Blatter meldete sich zu Wort und forderte die "Gelbe Karte für den Referee".

"Der Schiedsrichter befand sich heute nicht auf demselben Niveau wie die Mannschaften und Spieler", erklärte Blatter in einem Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC. "Es hätte Gelb für den Referee geben müssen", meinte der Schweizer und fügte hinzu: "Es war ein dramatisches Spiel mit vielen Emotionen und einem verdienten Sieger. Eine große Show, leider mit einem Schiedsrichter, der nicht stark genug war, dem mangelnden Fairplay einiger Spieler entgegen zu treten."

Von Anfang an in Problemen

Der 45-jährige Iwanow, Lehrer und Musikliebhaber, brachte sich gleich zu Beginn selbst in die Bredouille, als er in den ersten sieben Minuten gleich zwei Niederländer verwarnte. Dann wiederum verabsäumte er es, Oranje-Verteidiger Boulahrouz auszuschließen, als dieser Cristiano Ronaldo brutal in den Oberschenkel trat und so aus dem Spiel nahm.

Nach dem 1:0 durch Maniche (23.) war Iwanow den Profi-Mätzchen, vor allem der portugiesischen Akteure, hilflos ausgeliefert. Am Ende saßen die Portugiesen Costinha, der wegen absichtlichen Handspiels zu Recht die zweite Gelbe sah, und Deco sowie die Oranje-Akteure Khalid Boulahrouz und Giovanni van Bronckhorst vereint im Kabineneingang.

Kein Fußballspiel in Hälfte zwei

"Schade, dass in der zweiten Hälfte kaum Fußball gespielt wurde", meinte Bondscoach Marco van Basten und konkretisierte: "Der Schiedsrichter zerstörte das Spiel und Portugal hat Erfahrung, Tricks und Zeitverzögerungs-Möglichkeiten genutzt. Wir konnten einfach nicht spielen. Es war ein absolutes Chaos und das darf bei einer WM nicht sein." Portugals Teamchef Luiz Felipe Scolari verwies auf seine Erfahrung aus Südamerika: "Manchmal ist es wie Krieg. Wie in der Copa America."

Vor allem die zweite Gelbe für Deco, der den Ball nach einem Pfiff weggerollt hatte, stieß Scolari aber sauer auf: "Er ist dabei klar gestoßen worden. Das war eine falsche Entscheidung." Mark van Bommel, der so wie seine Teamkollegen Van der Vaart und Sneijder sowie die Portugiesen Nuno Valente, Ricardo, Maniche, Petit und Figo verwarnt worden war, erklärte nach der Partie: "Die Portugiesen haben sich um nichts klüger angestellt als wir, aber der Schiedsrichter hat ihnen alles durchgehen lassen." Die Trainer wiederum beschuldigten beide das jeweils andere Team, das Fairplay mit Füßen getreten zu haben.

"Hat die Karten gar nicht mehr weggesteckt"

"Es war ein sehr hartes Spiel", meinte auch der portugiesische Goalie Ricardo. "Aber wir wissen, wie man sich in einem solchen Spiel verhalten muss." Dieser Meinung war auch Van Basten: "Die Portugiesen nutzten in der Hektik ihre ganze internationale Erfahrung." "Der Schiedsrichter hat die Karten gar nicht mehr weggesteckt. Er hat sie in der Hand gehalten, um sie jedem zu zeigen", meinte Ruud van Nistelrooy, der bei den Niederländern nicht zum Einsatz kam.

Die Verlierer des Abends waren wohl alle jene, die in Erwartung eines auf hohem Niveau stehenden Schlagabtausches zweier Top-Mannschaften ins Nürnberger Frankenstadion gekommen waren. (APA)

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    Die nächste Rote...

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