Harmlos oder gefährlich

28. Juni 2006, 13:01
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Bei Kopfschmerz kann Ernstes dahinter stecken - Gefürchteter Hirntumor aber selten - Migräne mit Aura als Gefahr

Pörtschach - Kopfschmerz ist bei rund zwei Prozent aller medizinischen Notfälle das ausschlaggebende Symptom - 95 Prozent weisen dabei verhältnismäßig harmlose Arten auf. Der Rest kann mitunter gefährlich werden. Der meistbefürchtete Hirntumor stecke dabei allerdings in nur rund 0,1 Prozent der Fälle dahinter, so Christian Lampl vom AKH Linz, Abteilung für Neurologie und Psychiatrie am Sonntag bei der "Sommerakademie für Apotheker am Wörthersee". Die Migräne mit "Aura" könne ein Alarmsignal darstellen.

Extrembeispiel zur Sensibilisierung

Eine junge Frau bekommt leichte, dumpf-drückende Kopfschmerzen, innerhalb einer Woche nehmen die Beschwerden stark zu. Der Hausarzt bemerkt eine erweiterte Pupille. Bei der Ankunft im Spital ist die Frau ansprechbar, verfällt dann aber Zusehens und stirbt wenige Tage nach Beginn des Kopfschmerzes an einer so genannten Sinusvenenthrombose. Mit solchen Extrembeispielen will Lampl, wie er sagt, eine Sensibilisierung bei den Apothekern herbeiführen, dass auch bei Kopfschmerzen "etwas sein kann". Gerade bei Kopfweh würden die Betroffenen zuerst zum Apotheker kommen.

Diagnose

Wesentlich für die Diagnose seien der Beginn und der zeitliche Verlauf der Beschwerden, so Lampl. Das Alter des Patienten, Qualität und Quantität der Schmerzen sowie Begleiterscheinungen müssen ebenso abgeklärt werden. So können ein plötzlicher, schlagartiger Beginn von Kopfweh unter anderm auf eine Subarachnoidalblutung (Blut fließt in einen mit Hirnflüssigkeit gefüllten Raum um das Zentralnervensystem), eine Aufspaltung hirnversorgender Arterien, einen Glaukomanfall oder auch "ganz banal" auf eine Blutdruckkrise hinweisen.

Migräne mit Aura

Häufig tritt Migräne auf. "Wir kennen die herkömmliche Migräne und ich kann versichern, sie ist harmlos", erklärte Lampl. Es gebe aber Risikofaktoren wie unter anderem Genetik, Aura oder Migränekomplikationen. Studien würden zeigen, dass wiederholte Migräneattacken mit einer visuellen Aura (Patienten sehen Blitze und Muster vor den Augen) zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen - "die graue Gehirnmasse schrumpft" - und somit vor allem bei Frauen zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko. Je nach Fall müsse mit Akut-Therapie oder Prophylaxe behandelt werden.

Es kommt nicht auf die Intensität an

Die Intensität des Kopfwehs stehe keineswegs immer direkt proportional zur Größe der möglichen Gefahr, weiß der Mediziner. So kann ein Hirntumor unter Umständen kaum Kopfweh verursachen. Grundsätzlich sollten Zusatzuntersuchungen bei erstmaligen, nie gekannten oder untypischen, beziehungsweise neuen Kopfschmerzen und Therapieresistenz durchgeführt werden. Außerdem sollte jeder Patient mit chronischen Kopfschmerzen ebenso wie "Tumorphobie"-Betroffene einmalig tiefgehender untersucht werden. (APA)

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    foto: photodisc
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