Weltwirtschaft wächst weiter, aber nicht risikofrei

7. Juli 2006, 11:12
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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt vor Krise durch weltwirtschaftliche Ungleichgewichte

Basel - Die Weltwirtschaft bleibt nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf Wachstumskurs. Die Zentralbank der Zentralbanken warnt in ihrem Jahresbericht jedoch vor einer Krise, in der sich die massiven weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte entladen könnten.

Nach allen Vorhersagen sei 2006 das dritte Jahr in Folge ein weltweites Wachstum von über vier Prozent zu erwarten, erklärte die BIZ am Montag zur Veröffentlichung ihres 76. Jahresberichts: "Die plausibelste Prognose für das nächste Jahr ist, dass sich das kräftige, inflationsfreie Wachstum fortsetzt." Doch die stärkste Expansionsphase der Weltwirtschaft seit 30 Jahren ist der BIZ zufolge nicht vor Rückschlägen gefeit. So gingen erhebliche Unsicherheiten und Risiken von womöglich steigendem Inflationsdruck und einer Auflösung globaler Ungleichgewichte aus: "Die Folgen könnten Turbulenzen an den Finanzmärkten, eine langwierige weltweite Wachstumsschwäche oder beides sein."

Geldpolitische Straffung

Die geldpolitische Straffung der großen Notenbanken ist nach Ansicht der BIZ als eine Antwort auf diese Gefahren angemessen. Doch müssten die Zentralbanken berücksichtigen, wie sich die höheren Zinsen auf die finanziellen Schieflagen auswirkten. An einigen Märkten gebe es ein beträchtliches Korrekturpotenzial.

In Basel trafen über das Wochenende 275 Notenbankvertreter aus rund 100 Ländern zur Jahrestagung der BIZ, dem Dachinstitut und Forschungszentrum der Zentralbanken, zusammen.

Die USA und Asien blieben Motoren der Weltwirtschaft, hieß es weiter im BIZ-Bericht. Rätselhaft sei aber die chronische Investitionsschwäche in vielen anderen Ländern. Die Unternehmen hielten sich trotz stark gestiegener Gewinne und günstiger Finanzierungsbedingungen zurück. Die Firmen seien nach früheren Übertreibungen vielleicht sehr zögerlich und verlangten eine Mindestrendite, die im Umfeld niedriger Zinsen zu hoch sei.

Mit dem starken Wachstum seien die Sorgen über die Inflation größer geworden, so dass immer mehr Zentralbanken die Zinszügel anzögen. Bisher hat das nach Einschätzung der BIZ nicht zu ernsten Spannungen an den Finanzmärkten geführt. Anders als in den USA sei der Zinserhöhungszyklus weltweit aber noch nicht weit fortgeschritten. Die langfristigen Zinsen an den Kapitalmärkten seien erst seit Anfang 2006 deutlich gestiegen: "Größere Verwerfungen könnten daher immer noch auftreten."

Ölverteuerung noch nicht niedergeschlagen

Nach bisherigen Prognosen werde der Preisanstieg weltweit trotz starken Wachstums und hoher Energiepreise in diesem Jahr mit rund drei Prozent aber verhältnismäßig niedrig bleiben. Die Ölverteuerung habe sich bisher noch nicht in anderen Preisen niedergeschlagen. Zu Zweitrundeneffekte kam es nicht, da die Lohnmäßigung anhielt und die Unternehmen nur begrenzte Preissetzungsmacht hatten. Die Zentralbanken hätten deshalb in nur kleinen Schritten das niedrige Zinsniveau anheben müssen.

Allerdings seien die Energiepreise nun seit mehr als drei Jahren im Aufwärtstrend und belasteten die Privathaushalte, so dass die Löhne doch stärker steigen könnten. "Früher oder später könnte sich der Inflationsdruck erhöhen", warnte die BIZ.

Die weltweiten Ungleichgewichte - also das rekordhohe Außenhandelsdefizit der USA und entsprechende Überschüsse in asiatischen und Öl exportierenden Ländern - werden sich nach Einschätzung der BIZ noch vergrößern. Die betroffenen Länder konzentrierten sich noch immer zu sehr auf ihre Binnenwirtschaft. Die Zentralbanken sieht die BIZ angesichts dessen in einer schwierigen Lage. Einerseits könnten sie die Zinsen zu langsam anheben und die Schieflagen noch verstärken, wenn sie das Geld zu lange zu billig lassen. Dann wären resolutere Zinserhöhungen nötig. Andererseits könnten Zinserhöhungen einen abrupten Abbau der Ungleichgewichte mit schwerwiegenden Folgen für die Weltwirtschaft auslösen. "Das würde für ein maßvolleres Vorgehen der Geldpolitik sprechen."

Auch wenn eine solche Krise für unwahrscheinlich gehalten wird, mahnt die BIZ zur Vorsorge. Es käme dann entscheidend auf die internationale Zusammenarbeit an. Wenn Notenbanken und Aufsichtsbehörden nur auf ihre vermeintlich nationalen Interessen achteten, werde wirksames Krisenmanagement behindert. "Vielleicht nachdenken" sollten Aufseher auch über die Möglichkeit, dass Banken und Finanzinstitute, dem Rat der Aufsicht folgend, alle auf die gleiche Weise auf einen bestimmten Schock reagieren könnten. (APA/Reuters)

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