OECD klagen über Gesundheitskosten

7. Juli 2006, 11:52
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Zunahme von sieben auf 8,9 Prozent des BIP zwischen 1990 und 2004 belastet Versicherungs­systeme - Österreich mit 9,6 Prozent über dem OECD-Durchschnitt

Paris - Die starke Zunahme der Gesundheitsausgaben in der Zeitspanne zwischen 1990 und 2004 bringt die Versicherungssysteme in den industrialisierten Ländern in Gefahr. Dies ergibt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), der zufolge die Gesundheitsausgaben in allen Ländern außer in Finnland zwischen 1990 und 2004 stärker zugenommen haben als das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Im OECD-Durchschnitt stiegen sie von sieben auf 8,9 Prozent des BIP. In Österreich betrugen sie 2004 sogar 9,6 Prozent des BIP, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie. An der Spitze der Rangliste befinden sich die USA, die Schweiz und Deutschland, wo die Gesundheitsausgaben jeweils 15,3, 11,6 und 10,9 Prozent des BIP betragen. Gleich dahinter folgt Frankreich mit 10,5 Prozent.

Unter dem OECD-Durchschnitt liegen dagegen Italien und Neuseeland mit je 8,4 Prozent, Ungarn und Großbritannien mit je 8,3 Prozent, Spanien mit 8,1 Prozent sowie Spanien und Luxemburg mit je acht Prozent. Den schwächsten Anteil am BIP haben die Gesundheitsausgaben in Korea (5,6 Prozent), der Slowakei (5,9 Prozent), Polen und Mexiko (6,5 Prozent), Irland (7,1 Prozent) und Tschechien (7,3 Prozent).

Finanzierung durch Fiskaleinnahmen

In den meisten OECD-Ländern werden die Gesundheitsausgaben laut Studie durch Fiskaleinnahmen finanziert. Durchschnittlich werden 73 Prozent der Gesundheitsausgaben durch Steuern gedeckt. In manchen CEE-Ländern wie Polen, Ungarn und Tschechien nahm der öffentliche Finanzierungsanteil an den Gesundheitsausgaben ab, weil er dort zuvor hoch war. Auch in Österreich sank der öffentliche Anteil um 2,8 Prozent.

In anderen Ländern, wo der öffentliche Finanzierungsanteil der Gesundheitsausgaben zuvor schwach gewesen war, stieg er an, so etwa in den USA, in der Schweiz und in Korea. In den Vereinigten Staaten stieg der Anteil der öffentlichen Gelder an den Gesundheitsausgaben zwischen 1990 und 2004 von 40 auf 45 Prozent, in Korea von 38 auf 50 Prozent. In Mexiko mussten 51 Prozent der Gesundheitsausgaben direkt aus dem Budget bestritten werden, in Griechenland waren es 45 Prozent und in Korea 37 Prozent.

Mögliche Steuererhöhungen

Laut Studie befinden sich Österreich, Frankreich, Deutschland, Spanien und Schweden unter jenen OECD-Ländern, in denen die öffentlichen Beiträge zur Bezahlung der Medikamente am größten sind. Dagegen betragen sie in Mexiko nur zwölf Prozent der Gesamtausgaben, in den USA 24 Prozent, in Polen 37 Prozent und in Kanada 38 Prozent.

Wenn es nicht zu einer globalen Abnahme der Ausgaben im Gesundheitssektor kommt, so kann das aktuelle Versicherungssystem laut OECD nur dann aufrecht erhalten werden, wenn die Steuern zunehmen, andere Ausgabenposten im öffentlichen Sektor gekürzt werden oder der Beitrag der Privatbürger an der Finanzierung des Gesundheitswesens angehoben wird. (APA)

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