Ex-Chef Elsner soll 3,5 Millionen Steuer nachzahlen

11. Juli 2006, 12:44
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Nachforderung aus Penthouse-Kauf: Finanzamt ermittelt bei Steuerprüfung "geldwerten Vorteil" von 7,1 Millionen Euro

Wien - Der Kauf des Penthouse der Nation (jenes auf dem Dach der Bawag-Zentrale, in dem Ex-Bankchef Helmut Elsner jahrelang gewohnt hat und das im Vorjahr seine Frau Ruth zu einem Schlussverkaufspreis erstanden hat) könnte doch noch einen bitteren Nachgeschmack in Elsners Kehle hinterlassen.

Eine Steuerprüfung des zuständigen Finanzamts Wien 1/23 hat nämlich laut den aktuellen Bawag-Chefs ergeben, "dass Herrr Elsner aus dem Erwerb der Wohnung durch seine Frau, der auf einer Vereinbarung aus dem Jahr 2001 basierte, einen geldwerten Vorteil erhalten hat".

3,5 Mio. Nachzahlung

In Euro ausgedrückt liest sich das so: Elsner habe einen geldwerten Bruttovorteil von 7,1 Mio Euro gehabt - die Finanz hat daher eine Lohnsteuerforderung von 3,5 Mio. Euro geltend gemacht. Als Berechnungsgrundlage haben die Finanzbeamten "Werte von vergleichbaren Wohnungen herangezogen", teilte die Bawag am Montag mit.

Zur Erinnerung: Das Haus auf dem Dach ist 326 Quadratmeter groß, hat einen als Löschteich gewidmeten Pool im Garten und Frau Elsner um rund 470.000 Euro (samt Einrichtung, die laut einem Arbeiter "teurer als die der Flick-Villa"war) ärmer gemacht.

Bankchef Ewald Nowotny, der sich der öffentliches Ärgernis erregenden Causa Penthouse besonders inniglich widmet: "Die Bawag wird sich mit allen Mitteln bemühen, dass letztlich Elsner diese Zahlung zu leisten hat."Anmerkung dazu: Die Abführung der Lohnsteuer (auch für Sachbezüge wie eben Dienstwohnung oder Dienstauto) ans Finanzamt ist Sache des Arbeitgebers. Der kann sich eine Nachzahlung aber vom Arbeitnehmer zurückholen - außer dieser hat den Vorteil "in gutem Glauben verbraucht", wie das im Finanzjargon heißt.

Für Südfrankreich drohen ähnliche Kalamitäten offenbar nicht. Denn Elsner pflegt zwar seine Villa im französischen Mougins ab und zu zu vermieten (allerdings ohne Elsner drin - also nur, wenn er nicht da ist), Einnahmen daraus fließen laut einem Wohlinfomierten aber nicht an ihn. Die Villa gehört nämlich gar nicht dem Ex-Banker, sondern einer Gesellschaft, die wiederum Elsners Gambit-Privatstiftung zuzurechnen ist. Elsner selbst ist also nur Mieter in dem Haus seiner Stiftung.

Derzeit dürfte das Thema Einnahmen aus Vermietung in Frankreich aber ohnedies keines sein: Pensionist Elsner verbringt ja den größten Teil seiner Zeit selbst in seinem französischen Domizil. Zu Einvernahmen reist er, nach Aufruf der Behörden, jederzeit sofort nach Wien - weswegen es den Untersuchungshaftgrund "Fluchtgefahr"nicht gibt.

Gefahrenpotenzial

Auf volkswirtschaftlicher Ebene hätte die Causa Bawag ohne die Staatshaftung und die Hilfe der österreichischen Banken und Versicherer die "Finanzmarktstabilität"gefährdet, konstatierte am Montag das für dieses Thema zuständige Notenbank-Direktoriumsmitglied Josef Christl.

Die "dazu Befugten hätten reagiert, und das hat gewirkt", sagte Christl - um das wirkliche Bedrohungspotenzial aber gleich wieder zu relativieren: "Ohne diese Hilfen wäre vielleicht gar nichts passiert, vielleicht aber auch sehr viel, das weiß man nicht."Jedenfalls sei die Bawag in den Augen der Notenbank eines der 20 großen, "systemrelevanten"Institute Österreichs. Und die, das betonten vor kurzem die Finanzmarktaufsicht-Chefs, sind "too big to fail". (APA, gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2006)

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    Blick auf das Penthouse des Ex-BAWAG-Chefs Helmut Elsner in der Wiener Innenstadt.

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