WWF fordert "Bären-Management-Plan"

28. Juni 2006, 13:51
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"Sechs Wochen lang alles Erdenkliche versucht, um Leben des Bären zu retten" - Auch Vier Pfoten bedauern Abschuss

Innsbruck - "Wenn man sechs Wochen alles Erdenkliche versucht, um das Leben des Bären zu retten und dann wird er so schnell erschossen, ist das schon enttäuschend", hieß es am Montag von der Artenschutzorganisation WWF (World Wide Found for Nature) im Interview mit der APA. "Für die Sicherung des Bärenbestandes im Alpenraum" wünschte sich der WWF einen "Bären-Management-Plan".

Der WWF stehe weiter dazu, dass es sich bei "JJ1" um einen "Problembären" gehandelt habe. Deshalb könne man aus dem jetzigen Abschuss keine Schlüsse auf Bärenansiedlungsprojekte ziehen: "Es gibt ein Bärenprojekt im Ötscher-Gebiet. Dort gibt es ein Bären-Management und keinen Problembären", sagte WWF-Sprecherin Susanne Grof, "auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass es zu einem neuerlichen Fall mit einem Problembären wie JJ1 kommen wird, müssen trotzdem Vorkehrungen für einen solchen Fall getroffen werden." Wenn wieder ein Bär einwandern sollte, müsse man zum Beispiel Notfalls-Pläne haben.

Bei der Ausbildung eines Bärenmanagers für Tirol würde der WWF auch behilflich sein, hieß es in einer Aussendung. Darin wies er aber auch auf die "Verantwortung des Bundeslandes im Wildtiermanagement" hin. In Zukunft müsse dieses behördlich verankert sein, forderte der WWF. Braunbären seien "in den meisten österreichischen Bundesländern im Jagdgesetz als ganzjährig geschontes Wild geführt". Daher liege auch die Verantwortung für das Bärenmanagement "eindeutig bei den Jagdrechtsbehörden der Bundesländer", so der WWF.

Kritik am Land Tirol

Die Tierschützer kritisierten das Land Tirol. Es seien "komische Dinge" passiert, erzählte Grof. Mit dem Auftrag zum Fang sei dem WWF auch ein Erlagschein zugestellt worden: "Wir hätten für die Fanggenehmigung zahlen sollen!"

Das Land sagte dem WWF 6.000 Euro für den Fangversuch zu. "Irgendwann war klar, dass es mehr kosten wird," sagte Grof. Darüber habe man dann Rückmeldungen gemacht - ohne Erfolg. Daneben habe man auch versucht mit "Spendenaufrufen und Sponsorensuche die Kosten zu decken".

Der Tiroler Agrarlandesrat Anton Steixner schätzte zuletzt die Kosten für die bisherige Bärenjagd auf rund 50.000 Euro. Auch finnische Spezial-Hunde hatten fast zwei Wochen lang nach dem aus dem Trentino stammenden "JJ1" gefahndet. Nachdem ihr Einsatz ohne Erfolg geblieben war, war er ebenfalls abgebrochen worden.

Der WWF betreut seit 17 Jahren ein Bärenprojekt im Ötscher-Gebiet. Dort war 1972 ein einzelner männlicher Bär aus dem Süden eingewandert. Bestürzung bei Vier Pfoten

"Wir sind sehr bestürzt darüber, dass Bruno jetzt tatsächlich sterben musste. Wir sind in Österreich an den Umgang mit derartigen Wildtieren nicht mehr gewöhnt", so die Tierschutzorganisation Vier Pfoten in einer Reaktion.

Man habe "JJ1" Asyl im Wildpark Poing (Bayern) und im Bärenwald Arbesbach (NÖ) angeboten. "Leider schlugen alle Fangversuche fehl. Der vorzeitige Abschuss ist jedenfalls rechtlich zu prüfen", so Andreas Sax, Geschäftsführer von Vier Pfoten. (APA)

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