Israel lässt Truppen am Rande des Gazastreifens aufmarschieren

26. Juni 2006, 17:54
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Entführer des 19-jährigen Soldaten Gilad Shalit fordern Freilassung palästinensischer Gefangener

Gaza - Nach der Entführung eines israelischen Soldaten im Gaza-Streifen hat sich die Lage in Nahost dramatisch zugespitzt. Um für eine Bodenoffensive vorbereitet zu sein, ließ die israelische Armee am Montag am Rande des Gaza-Streifens Truppen aufmarschieren. Israel drohte gleichzeitig dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas mit dem Abbruch der Beziehungen, sollte der 19-jährige Gilad Shalit nicht freikommen. Die Entführer forderten die Freilassung palästinensischer Gefangener im Austausch für den Soldaten, der auch französischer Staatsangehöriger ist.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert schloss einen Häftlingsaustausch aus. Er sagte vor Journalisten in Jerusalem: "Ich habe dem militärischen Kommando gestern den Befehl erteilt, unsere Streitkräfte für einen groß angelegten militärischen Einsatz mit langem Atem vorzubereiten". Israel werde jeden "erreichen", der mit der Entführung von Gilad Shalit zu tun habe. "Wir werden jeden überall finden - niemand ist immun", sagte er.

8000 palästinensische Häftlinge

Ein Sprecher der Gruppierung "Islamische Armee" sagte am Montag vor Journalisten in Gaza, der Soldat werde "nicht als Geschenk an die Europäer oder Araber" übergeben. "Wir haben lange Nächte damit verbracht, eine solche Operation vorzubereiten, wir werden ihn deshalb nicht einfach als Geschenk freilassen, während unsere Gefangenen und die Leichen unserer Märtyrer in Israel sind", sagte der Sprecher namens Abu Muthana. In israelischen Gefängnissen sitzen mehr als 8000 palästinensische Häftlinge.

Ein Armeesprecher bestätigte am Montag die israelischen Truppenbewegungen am Rande des Gaza-Streifens. Gegenwärtig handle es sich um "allgemeine Vorbereitungen". Israels Verteidigungsminister Amir Peretz sagte, es gebe "kein Pardon, wenn man einem Soldaten nach dem Leben trachtet". Außenministerin Tzipi Livni sagte vor ausländischen Botschaftern in Israel, die Weltgemeinschaft solle Verständnis haben für einen möglichen Angriff im Gaza-Streifen und ihn unterstützen. Ein solcher Militäreinsatz falle unter das "natürliche Recht eines jeden Staates auf Selbstverteidigung".

Bewaffnete Palästinenser, die sich in einem Tunnel vom Gaza-Streifen auf israelisches Territoriums vorgegraben hatten, hatten am Sonntag den israelischen Grenzposten zwischen Sufa und Kerem Shalom angegriffen und zwei Soldaten getötet. Shalit verschleppten sie. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, eine ägyptische Delegation vermittle und habe den Entführten gesehen. Er sei verletzt, aber wohlauf. (APA/dpa)

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    Gepanzerte Fahrzeuge an der Grenze zum Gaza-Streifen

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