Adele lässt die Exportstatistik glänzen

7. Juli 2006, 11:51
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Die Restitution des Klimt-Werks an ihre Erben sorgte auf Papier für einen ungeahnten Höhenflug der Exporte in die USA. Aber auch ohne Adele legen die Ausfuhren deutlich zu

Wien - Vom Energydrink Red Bull über Kfz-Teile bis zu Kunststoff-Spezialmaschinen der oberösterreichischen Firma Engel reicht die breite Palette heimischer Exportschlager in die USA. Einen Zuwachs bei den Exporten in die USA um 34,9 Prozent vermeldeten die Statistiker stolz für das erste Quartal anlässlich des Wien-Besuchs von US-Präsident George W. Bush. Ein ungeahnter Höhenflug nach dem relativ mageren Exportplus Österreichs in die USA von 0,8 Prozent im Vorjahr.

Doch ein genauer Blick in die Ausfuhrstatistik zeigt: Die zu Jahresbeginn den in den USA lebenden Erben zurückgegebenen Klimt-Bilder haben die offiziellen Außenhandelsdaten um 250 Mio. Euro - der Schätzwert von Exporteur und Zollbehörde - nach oben verfälscht. Aber selbst ohne die wertvollen Rückgaben liegt das Exportplus bei 15,5 Prozent und damit im EU-Durchschnitt. Zum Vergleich: Österreichs Gesamtexport in alle Welt legte im ersten Quartal um 16,5 Prozent zu.

Hoffentlich ein Ausreißer

"Das wird hoffentlich kein regelmäßiges Exportgut, sondern bleibt ein Ausreißer", kommentiert Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer den angenehmen Statistik-Effekt der Klimt-Bilder: Aber Exportgüter müssten nun einmal deklariert werden und fänden, selbst wenn dafür kein Geld nach Österreich fließt, ihren formalen Niederschlag in der Exportstatistik.

Warum Österreichs Exporteure trotz starken Euro in den USA punkten können, erklären Experten wie IHS-Chef Bernhard Felderer oder Industrie-Chefökonom Christian Helmenstein mit hohen, teils sogar zweistelligen Produktivitätsgewinnen der Industrie. Felderer: "Wir sind mittlerweile so wettbewerbsfähig geworden, dass die Währungseinflüsse überkompensiert werden."

Steigerung des Euro

Eine nochmalige Steigerung des Euro um zehn Prozent und mehr gegenüber dem Dollar wäre jedoch das "größte Risiko"für die weitere Konjunkturentwicklung, sagt Helmenstein. Zu den hohen Produktivitätsgewinnen in Auto-, Elektro-, Metallindustrie sowie im Maschinenbau zählt Nationalbank-Ökonom Peter Mooslechner auch die "relativ niedrigen Lohnabschlüsse"zu den Vorteilen für Exporteure.

Dennoch: Ein weiterer Euro-Anstieg zum Dollar auf 1,30 und darüber hinaus wird nicht ausgeschlossen. Koren: "1,20 war schon die Schmerzgrenze, ab jetzt tut jeder Prozentpunkt wirklich weh in den Gewinnen, ab 1,30 würde es einen Aufschrei geben."Aber: Unter den Annahmen einer konstanten Euro-Dollar-Relation und eines durchschnittlich dreiprozentigen Wirtschaftswachstums in den USA hat die Wirtschaftskammer bis 2008 ein Export-Wachstumspotenzial von zusätzlichen 1,6 Milliarden Euro errechnet. Trifft dieses Szenario ein, käme Österreich in zweieinhalb Jahren auf ein Exportvolumen in die USA von bereits 6,9 Mrd. Euro. Koren: "Die USA haben für uns nach Deutschland das zweitgrößte Wachstumspotenzial aller Exportmärkte." (Michael Bachner , DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.6.2006)

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    Der Exportstatistik ist Adele teuer: Sie trug 20 Prozentpunkte zum Wachstum bei US-Exporten bei. Aber auch ohne Klimt und dem teuren Euro zum Trotz boomen die Ausfuhren.

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