[dag]: Tee in der Wüste

16. Juli 2006, 18:53
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Der Österreicher erfährt gerne, was er machen muss, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht

Aktuelles Beispiel: Es ist heiß. Was nun? Medien nützen diese natürliche Neugierde aus, und so erscheint jährlich zur gleichen Zeit in ungefähr allen Zeitungen die Geschichte vom Schweiß, woher er kommt, wohin er rinnt, wie man ihn verhindert (am besten gar nicht, weil er gesund ist) und was man sonst dagegen tun kann. Experten empfehlen fast durchwegs: duschen. Was die Hitze betrifft: Salat, Schafkäse und Artischocken essen. (Bis man Artischocken erstanden und das Essbare herausgekitzelt hat, durchlebt man allerdings zehn Schweißausbrüche.) Was bei keinem Schweißreport fehlen darf und worunter Generationen von Kindern qualvoll leiden: nur ja keine kalten Limonaden, sondern warmen Kräutertee trinken. Dazu stets der Hinweis: "Das haben die Wüstenbewohner schon vor Jahrhunderten gewusst."

Liebe Schweißexperten, überlegt einmal: Warum haben die Menschen vor 300 Jahren bei 40 Grad in der Wüste wohl keinen kalten Tee getrunken? Richtig: Sie hatten keinen Kühlschrank dabei. Der wurde erst 1876 erfunden. Und in der Wüste steht er auch erst seit der Almdudler-Werbung. (Der Standard, Printausgabe 26.6.2006)

Von Daniel Glattauer
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