Impfung gegen Drogen

10. Juni 2000, 12:12

Eine schon fast vergessene Strategie gegen Drogensucht lebt wieder auf.

London - Eine schon fast vergessene Strategie gegen Drogensucht lebt laut New Scientist wieder auf: Die Entwicklung von Impfstoffen, die die Wirkstoffe von Drogen im Blut binden oder zerstören und sie erst gar nicht zu dem Ort kommen lassen, wo sie wirken und süchtig machen: zum Gehirn.

Mit einem derartigen Impfstoff - einem heroinähnlichen Molekül, das mit einem Protein verbunden ist, gegen das die Immunabwehr Antikörper produziert - hatte ein US-Forscher Anfang der 70er-Jahre in Affenversuchen zunächst gute Erfolge. Aber er verlor bald seine Wirkung, obwohl er so häufig gespritzt wurde, dass sich Abszesse bildeten.

Und zur selben Zeit hatte eine konkurrierende Strategie Erfolg, die der "small chemicals". Das sind Stoffe wie Methadon, die die Heroinsucht auf einem anderen Weg bekämpfen: Während Antikörper die Drogen nicht zum Gehirn kommen lassen, setzen sich "small chemicals" im Gehirn auf dieselben Rezeptoren wie Heroin.

Darin liegt auch ihr Nachteil: Sie greifen in die Hirnchemie selbst ein. Und auf der Suche nach ähnlichen Ersatzstoffen wurde man vor allem bei Kokain nicht fündig. Deshalb werden derzeit gegen diese Droge Impfstoffe entwickelt, sowohl solche, die den Körper zur Produktion von Antikörpern anregen wie auch (monoklonale) Antikörper selbst, die Kokain nicht einfach an sich binden, sondern es auch abbauen.

Ähnliche Versuche laufen mit Impfstoffen gegen Nikotin und Metamphetamin, aber der ganze Ansatz kämpft nicht nur mit technischen Problemen, sondern auch mit ethischen. Wer etwa sollte darüber entscheiden, wer geimpft wird? Eltern für ihre gefährdeten Kinder, der Staat für gefährdete soziale Gruppen? Oder wie lässt sich verhindern, dass Firmen vor Einstellungen testen lassen, ob die Bewerber Antikörper im Blut haben, also potenziell süchtig sind? (jl)

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