Spatenstich für Brenner-Basistunnel

21. Juli 2006, 13:04
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Startschuss am 30. Juni - Mit 63 Kilometern längster Eisenbahntunnel der Welt - Fertigstellung für 2015 geplant

Innsbruck - Für eines der größten europäischen Infrastrukturprojekte - den Brenner-Basistunnel (BBT) - fällt in der kommenden Woche der Startschuss. Am 30. Juni erfolgt am Brenner der Spatenstich für den Erkundungsstollen. Der BBT wird mit 63 Kilometern - inklusive Innsbruck-Umfahrung - der längste Eisenbahntunnel der Welt. Das zwischen Österreich und Italien vereinbarte Ziel ist die Fertigstellung im Jahr 2015. Ein Jahr später soll der BBT in Betrieb gehen. Die reinen Baukosten wurden mit 4,5 Mrd. Euro angegeben. Mit dem Projekt wird die Hoffnung verbunden, den Gütertransitverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern zu können.

Der Brenner-Basistunnel ist das erstgereihte von 30 vorrangigen Projekten des Trans-European Transport Network-Programmes (TEN) der Europäischen Union. Er wird Innsbruck mit Franzensfeste in Italien verbinden und stellt somit einen wesentlichen Bestandteil der insgesamt etwa 2.200 Kilometer langen Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsachse Berlin-München-Verona-Bologna-Palermo dar. 31 Kilometer befinden sich auf österreichischem Staatsgebiet, 24 Kilometer auf italienischem Boden. Dazu kommen rund acht Kilometer Tunnelstrecke der bestehenden Umfahrung Innsbruck, wodurch sich die Gesamtlänge auf 63 Kilometer erstreckt.

Die Trasse der TEN-Achse rund um das Kernstück BBT besteht aus der nördlichen Zulaufstrecke durch das Inntal, dem BBT zwischen Innsbruck und Franzensfeste und der südlichen Zulaufstrecke durch das Eisack- und Etschtal.

400 Züge pro Tag

Der BBT besteht aus zwei eingleisigen Tunnelröhren. Die Kapazität liegt bei mehr als 400 Zügen pro Tag. Zu 80 Prozent sollen Güterzüge durch den Tunnel rollen, die restlichen 20 Prozent sind - so der Plan - Personenzüge. Der Brenner-Basistunnel ist auf eine maximal mögliche Geschwindigkeit von 250 km/h ausgelegt. Die Gesamtstrecke verkürzt sich um rund 20 Schienenkilometer. Während die aktuelle Fahrzeit auf der Bahnstrecke Innsbruck-Bozen rund zwei Stunden beträgt, kann diese nach Fertigstellung des BBT in nur 50 Minuten bewältigt werden. Die durchschnittliche Steigung im Tunnel wird etwa acht Promille betragen. Die bestehende Trasse weist dem gegenüber eine Steigung von bis zu 26 Promille auf.

Der nunmehrige Baubeginn erfolgt durch ein "Quick-Start-Programm" (Programm der Europäischen Union für eine verbesserte Projektvorbereitung; Anm.). Die Kosten von 430 Mio. Euro für den Erkundungsstollen werden zur Hälfte von der EU, zu jeweils 12,5 Prozent vom Bund und von Tirol und der Rest von Italien getragen.

Der Weg zum BBT in Kürze: 1986 beschlossen die Regierungen von Österreich, Deutschland und Italien die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für den Brenner-Basistunnel. 2004 unterzeichneten die Infrastrukturminister Österreichs und Italiens einen Staatsvertrag zur Realisierung des Tunnels. Im Mai 2006 kam es zur Unterzeichnung der Patronatserklärung zum Erkundungsstollen durch Vertreter der Republiken Österreich und Italien sowie des Landes Tirols. Beide Staaten sagten die Übernahme der Kosten für die Errichtung des Erkundungsstollens zu. (APA)

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