Italien wieder gegen Hiddink

26. Juni 2006, 19:20
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2002 scheiterte die Squadra an den vom Niederländer betreuten Südkoreanern, nun ist er mit Australien erneut Gegner

Kaiserslautern - Italien sinnt im Achtelfinale am Montagnachmittag in Kaiserslautern (ab 17 Uhr) auf Rache. Zwar bekommt es die "Squadra" erstmals mit Australien zu tun, doch Revanche wollen sie an "Socceroos"-Coach Guus Hiddink nehmen. Der Niederländer hatte vor vier Jahren WM-Gastgeber Südkorea betreut, der die Italiener auch mit Hilfe einer skandalösen Schiedsrichterleistung von Byron Moreno aus Ecuador im Achtelfinale 2:1 besiegt hatte.

"Vorsicht, Hiddink hat wieder eine Falle aufgestellt!", warnte die "La Gazzetta dello Sport" vor dem vermeintlichen Außenseiter, doch Italiens Kicker lassen sich von solchen Schlagzeilen nicht verunsichern. "Wir sind echte Männer und werden jetzt Rache für das Südkorea-Spiel nehmen", lautete die unmissverständliche Kampfansage von Tormann Gianluigi Buffon, während sein Trainer Marcello Lippi ankündigte: "Wir werden sie nicht unterschätzen, aber wir wissen, was wir können."

Auch sein Widerpart weiß, was der Gegner kann. "Ich denke, das italienische Team hat sich - verglichen zu damals - deutlich zum Positiven verändert", meinte Hiddink vor dem Wiedersehen. Sie haben mittlerweile eine wesentlich offensivere Spielweise. Vor vier Jahren spielten sie quasi nur mit einem Stürmer und insgesamt ausgesprochen defensiv. Sie haben ihre Mentalität geändert. Jetzt spielen sie modernen Fußball, deswegen sind sie weitaus gefährlicher", glaubt der Erfolgscoach, der Australien zum historischen ersten WM-Sieg (3:1 gegen Japan) geführt hat, merkte aber gleichzeitig an: "Nur eines ist wieder so wie 2002: Italien ist der haushohe Favorit und wir werden wieder alles versuchen."

Alberto Gilardino war vor vier Jahren zwar noch nicht dabei, aber Italiens 23-jähriger Torjäger kennt Hiddinks Trainer-Qualitäten aus der Champions League, in der es sein Verein AC Milan mit dem vom Holländer betreuten PSV Eindhoven, der sich nach dem 0:0 in Mailand im Heimspiel 1:0 durchsetzte, zu tun bekam. "Er bereitet seine Mannschaften sehr gut vor, sie stehen immer sehr gut am Mann", weiß Gilardino. "Australien ist körperlich sehr stark, aber sie haben auch einige Schwachpunkte, und wir müssen hart und konsequent daran arbeiten, dass wir daraus einen Vorteil ziehen."

Australiens Verteidiger Lucas Neill ist dagegen überzeugt, dass der dreimalige Weltmeister zu schlagen ist. "Körperlich können wir es mit jedem Team aufnehmen, wenn wir nicht sogar besser sind. Außerdem hat keiner Angst vor Italien, weil wir auch keine Angst vor Brasilien hatten. Und außerdem haben wir im Gegensatz zu unserem Gegner nichts zu verlieren", lautete der selbstbewusste Kommentar von Neill. Zwei der "Socceroos" werden auch ganz besonders motiviert in die Begegnung gehen, denn Vince Grella und Marco Bresciano, Ersatzmann für den gesperrten Brett Emerton, stehen beim italienischen Erstligisten FC Parma unter Vertrag.

Versicherungspolizze namens Cannavaro

Italiens 32-jähriger Abwehrboss und Kapitän Fabio Cannavaro erwartet auch deshalb "einen sehr harten Kampf". Doch Buffon macht sich keine Sorge und vertraut ganz auf die Qualitäten des nur 1,75 Meter großen Chefs der Viererkette, der mit 96 Länderspielen auch der erfahrenste Mann im Lippi-Team ist. "Cannavaro ist ein Kämpfer, der ein Fußballspiel als Schlacht versteht", weiß der Juventus-Schlussmann.

Nicht umsonst ist Italien seit bereits 21 Spielen ungeschlagen und kassierte in Deutschland erst einen Treffer - und der resultierte aus einem peinlichen Eigentor durch Cristian Zaccardo beim 1:1 in der Härteschlacht gegen die USA, die übrigens am Achtelfinalschauplatz Kaiserslautern in Szene ging.

Gegen Australien wird wieder Marco Materazzi den an den Adduktoren verletzten Alessandro Nesta in der Viererkette ersetzen, während Hiddink wieder Standard-Keeper Mark Schwarzer aufbieten wird, nachdem dessen Ersatzmann Zeljko Kalac beim 2:2 gegen Kroatien schwer gepatzt hatte. Einziger verletzungsbedingter Ausfall bei den "Aussies" ist Tony Popovic, der an einer hartnäckigeren Wadenblessur laboriert, während Offensivmann Harry Kewell, der das Abschlusstraining am Sonntag wegen Leistenproblemen ausließ, zum Einsatz kommen sollte. (APA/AP/dpa/Reuters)

  • ITALIEN - AUSTRALIEN (Kaiserslautern, Fritz-Walter-Stadion, 17 Uhr, Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo/Spanien)

    Italien: 1 Buffon - 19 Zambrotta, 23 Materazzi, 5 Cannavaro, 3 Grosso - 16 Camoranesi, 8 Gattuso, 21 Pirlo, 20 Perrotta - 10 Totti - 11 Gilardino

    Australien: 1 Schwarzer - 21 Sterjovski, 3 Moore, 2 Neill, 14 Chipperfield - 4 Cahill, 13 Grella, 5 Culina, 23 Bresciano - 10 Kewell, 11 Viduka

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