Serbien: Streit um Kurs gegenüber der EU

27. Juni 2006, 13:29
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Präsident Tadic gegen "verlogenen Stolz und falschen Patriotismus"

Belgrad - Die Regierung und der Präsident Serbiens liegen im Streit über die richtige Politik gegenüber der Europäischen Union. "Ich habe nichts zu schaffen mit einer Politik, die es im heutigen Serbien als richtig ansieht, erneut Widerstand gegen die Welt zu leisten und einen verlogenen Stolz sowie falschen Patriotismus zu zeigen", zitierten die Medien Staatspräsident Boris Tadic am Sonntag in Belgrad. Er reagierte damit auf die Kritik des Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica an der EU, sie solle nicht immer neue Bedingungen für die Zusammenarbeit stellen.

"Wenn heute in Serbien jemand meint, dass ein Konflikt mit Europa richtig ist", müsse er sich als Präsident von dieser Position distanzieren, sagte Tadic weiter. "Wenn man bei jemandem Mitglied werden will, dann muss man auch die Standards desjenigen achten, bei dem man mitmachen will. Wenn man zu jemandem in die Wohnung ziehen will, dann muss man die Regeln desjenigen beachten, mit dem man dort wohnen will", sagte Tadic weiter.

Der enge Mitarbeiter Kostunicas, Aleksandar Simic, griff Tadic wegen dieser Position scharf an. Sein Vergleich mit der Wohnung sei "wenig geistreich", sagte er den heimischen Medien. Gegenüber der EU "dürfen unsere Politiker und besonders der Präsident keine Unterwürfigkeit zeigen", verlangte er. Zudem sei das Bild von "der fremden Wohnung" falsch. "Unser Volk hat sich als europäisch bewiesen durch seine Zivilisation, Kultur und den jahrhundertelangen Kampf gegen die Versklavung durch nichteuropäische Völker", begründete Simic seine Position. (APA/dpa)

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