Die weibliche Menschenlinie sichtbar machen

10. Juni 2000, 11:12

Eine Koordinationsstelle für Frauenforschung in Innsbruck

Innsbruck – Mit der Eröffnung einer „Koordinationsstelle für feministische Forschung und Lehre“ vergangenen Donnerstag erhalten an der Universität Innsbruck die seit Anfang der 90er Jahre an einigen Instituten (vor allem der Politik- und Erziehungswissenschaft) verankerten feministischen Angebote eine fakultätsübergreifende Anbindung. Die laut Rektor Hans Moser „für die gesamte Universität und die Geschlechterdemokratie wichtige Einrichtung“ ist die dritte derartige in Österreich nach Wien und Graz. In Linz gibt es mittelfristig das Bestreben ein eigenes Institut zu gründen.

Der Innsbrucker Stelle, die mit der aus Wien stammenden Philosophin Ulla Ernst besetzt ist, obliegt vor allem die Aufgabe den neuen, seit einem Jahr als Modell laufenden Wahlfachstudiengang „Feministische Gesellschafts- und Kulturwissenschaften“, den bundesweit ersten Lehrgang dieser Art, zu koordinieren. Studierende aller Fakultäten können den Studiengang, wie vom neuen Uni-Studiengesetz vorgesehen, als Zweitfach belegen, entweder als gesamtes Wahlfach mit 48 Wochenstunden oder einzelne aufbauende Module, insgesamt vier. „Dass wir für nächstes Jahr eigene Ressourcen für 16 Stunden bewilligt erhielten, ist ein schöner Erfolg“, freut sich die Leiterin der Koordinationsstelle, Michaela Ralser. Laut Ralser hätte die Stelle ihren Sinn verfehlt, würde sie „nicht auch im Dissens stehen zu jenen Strukturen des Rationalen, welche die weibliche Menschenlinie unsichtbar halten“. Bei aller Vielstimmigkeit ziele der feministische Diskurs mehrheitlich auf Analyse und Beseitigung von Ungleichheitsverhältnissen.

Die Koordinatorin Ulla Ernst kommt aus der Wiener Autonomen Frauenbewegung. Sie hat mehrere Jahre in den USA Philosophie gelehrt und war von 1989 bis 1999 Assistentin für Angewandte Informatik an der Wirtschaftsuniversität Wien. „E-teaching and learning“ heißt der erste Lehrgang, den die Stelle ab Herbst für Lehrende wie Lernende gemeinsam anbietet. An der Technik, Naturwissenschaft und Medizin soll für erste frauenspezifische Angebote sensibilisiert werden. (bs)

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