Portrait: Kathrin Passig, Gründerin der "Zentralen Intelligenz Agentur"

25. Juni 2006, 18:17
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36-jährige Preisträgerin schrieb Kolumnen für die "taz" und Sachbücher und war Krimibuchhändlerin

stürmte mit literarischem Erstling zum Sieg BILD will in keine Kategorie passen

Klagenfurt - Mit Kathrin Passig hat eine Autorin den 30. Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen, die zwar schon lange schreibt, aber in Klagenfurt ihren literarischen Erstling präsentierte. Sie sei im vergangenen Jahr mit einer Freundin beim Wettlesen gewesen, erzählt sie, und es habe ihr so gut gefallen, dass sie beschlossen habe, es selbst zu versuchen. Ihre Erzählung "Sie befinden sich hier" überzeugte die gestrenge Jury denn auch auf Anhieb.

Kathrin Passig wurde 1970 im bayrischen Deggendorf geboren, seit 1991 lebt sie in Berlin. Sie studierte Germanistik und Anglistik und ist als Sachbuch-Autorin bereits in Erscheinung getreten. Gemeinsam mit Ira Strübel schrieb sie jahrelang Kolumnen für die Berliner "taz", machte Übersetzungen und ist zudem Web-Entwicklerin. "Ich mache eigentlich am Liebsten all das, was mir Spaß macht", umschreibt die 36-Jährige ihr Lebensmotto.

Und so begründete sie die "Zentrale Intelligenz Agentur", die auf der Homepage als "Die Ich Ich Ich AG" bezeichnet wird. Eigenbeschreibung: "Die Zentrale Intelligenz Agentur ist ein kapitalistisch-sozialistisches Joint Venture mit dem Anspruch, neue Formen der Kollaboration zu etablieren. Als virtuelle Firma kombinieren wir die Professionalität eines Unternehmens mit der Flexibilität eines Freiberuflernetzwerks und decken so umstandslos ein breites Leistungsspektrum ab."

Krimibuchhändlerin

Dieses Geschäftskonzept könne natürlich nur in Berlin funktionieren, konzediert Passig, die übrigens auch schon als Buchhändlerin tätig war. "Ich war drei Jahre lang Krimibuchhändlerin." In dieser Zeit habe sie fast ausschließlich Kriminalromane gelesen, diese Liebe sei aber bereits wieder erkaltet. Mit deutschen Krimiautoren hat sie es nicht so, dafür bezeichnet sie Wolf Haas als einen ihrer Lieblingsautoren, "nicht nur der Krimis wegen". Ebenso outet sie sich als "Nicht-Kennerin" der deutschen Literatur, vor allem der Gegenwartsliteratur. Angesichts eines Germanistikstudiums dürfte da allerdings ein wenig Koketterie mitschwingen.

Passig lebt mit ihrem Freund Alexander Scholz zusammen, gemeinsam haben sie das "Lexikon des Unwissens" erarbeitet, das im kommenden Jahr erscheinen soll. "Er hat sich auch beworben, ich habe ja gedacht, dass er die viel besseren Chancen hat und ich mit ihm nach Klagenfurt fahren werde." Dass ihre erste literarische Arbeit ihr nicht nur eine Nominierung, sondern auch gleich den Bachmann-Preis einbringen würde, hat sie doch einigermaßen überrascht.

Zumal die Neo-Autorin freimütig erklärt: "Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit es ist, so einen Text zu machen, hätte ich es vielleicht sein lassen, ich habe seither großen Respekt vor all jenen, die mit Literatur ihr Brot verdienen." Allerdings scheint sie auch Blut geleckt zu haben, denn sie meint: "Ich würde das literarische Können schon gerne vertiefen." Schließlich sei der Bachmann-Preis auch eine Verpflichtung.

Vor dem Lesewettbewerb hatte sie keine Angst, "ich habe schon mit 16 einen Vorlesewettbewerb gewonnen", sie sei auch vor ihrem Auftritt im ORF-Theater nicht nervös gewesen. "Da war der Text eh schon fertig." Als ihr Hobby nennt Kathrin Passig das Klettern, sie hat auch die Ausrüstung mit nach Kärnten genommen und will noch einen Klettergarten bei Villach besuchen. (APA)

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