Regierung untersagt UNO Hilfsarbeit in Darfur

18. Juli 2006, 14:45
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Rebellenchef Suleiman Adam Jamous soll in Hubschrauber der Vereinten Nationen gereist sein

Khartum - Das sudanesische Regime hat den Vereinten Nationen bis auf Weiteres jede Arbeit in der Krisenregion Darfur (Darfour) verboten. Die Regierung in Khartum warf UNO-Helfern am Sonntag vor, einen Rebellenchef, der das Friedensabkommen vom 5. Mai ablehnt, in einem Hubschrauber transportiert zu haben.

"Das Verbot gilt für ganz Darfur und bleibt so lange aufrecht, bis wir eine Erklärung erhalten", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Davon betroffen sind Projekte des Welternährungsprogramms (WFP) und des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF.

Bei dem Rebellenchef, der von dem UNO-Hubschrauber transportiert worden sein soll, handelt es sich nach den Angaben um Suleiman Adam Jamous. "Die Behörden wurden nicht konsultiert, es wurde nicht um Erlaubnis gefragt", sagte der Sprecher.

Jamous war bis zu seinem Bruch mit der größten Rebellengruppe im November deren Koordinator für humanitäre Fragen und Hauptansprechpartner für die 14.000 internationalen Helfer in der Region. Das Friedensabkommen war von der größten Rebellengruppe SLA unterzeichnet worden. Zwei kleinere Gruppen lehnen es aber ab.

Millionen auf der Flucht

Die Aufständischen in Darfur kämpfen seit 2003 gegen das Regime in Khartum. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen kamen bisher zwischen 180.000 und 300.000 Menschen um, rund zweieinhalb Millionen wurden durch das Wüten von regimetreuen sudanesisch-arabischen Janjaweed-Reitermilizen in die Flucht getrieben.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hatte anlässlich des Weltflüchtlingstags vor einer neuen Tragödie in der westsudanesischen Krisenregion gewarnt. Dort habe die Gewalt trotz des Anfang Mai unterzeichneten Friedensabkommens weiter zugenommen, hieß es in einer UNICEF-Mitteilung.

Inzwischen lebten 1,87 Millionen Flüchtlinge in riesigen Lagern wie in einem Gefängnis, die Hälfte von ihnen seien Kinder und Jugendliche. Aber auch die ortsansässige Bevölkerung könne sich nicht mehr selbst ernähren, ihre Felder lägen wegen des Konflikts brach. Dem Internationalen Strafgerichtshof liegen Informationen über "Massaker großen Ausmaßes" in Darfur vor. (APA/Reuters)

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