Gazprom warnt vor neuerlichen Lieferschwierigkeiten

25. Juni 2006, 18:25
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Ukraine kündigt Verträge mit Russland - auch Transit nach Europa gefährdet

Moskau/Wien - Der russische Erdgasmonopolist Gazprom hat neuerliche Lieferengpässe im kommenden Winter nicht ausgeschlossen und die Verantwortung dafür der Ukraine bzw. dem dortigen Energieversorger Naftogaz zugewiesen. Sowohl politische als auch "technische" Gründe könnten zu solchen Liefereinschränkungen führen, sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow Ende vergangener Woche der APA in Moskau.

Die Ankündigung der designierten ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, das Gasabkommen mit Russland auszusetzen und neu zu verhandeln, sei "eine Drohung auch für den Transit nach Europa", sagte Kuprijanow. Die geltenden Transitverträge mit der Ukraine liefen über fünf Jahre und seien nach internationalem Recht verankert. Was Timoschenko im Wahlkampf in der Ukraine über die Neuverhandlung gesagt habe, seien "nur Worte", wenn aber die Ukraine "offiziell diese Position einnimmt, ist das ein Anzeichen von Gefahr", sagte Kuprijanow.

Am Freitag ist Timoschenko offiziell als künftige ukrainische Ministerpräsidentin nominiert worden. Timoschenko hat den Großteil ihres großen privaten Vermögens in den Neunzigerjahren über Bartergeschäfte mit der Gazprom gemacht - war als Oppositionspolitikerin aber auf einen prononcierten Konfrontationskurs mit Russland eingeschwenkt. Auch nach der Unterzeichnung des "orangen" Koalitionsvertrages in der Ukraine hat Timoschenko die geplante "gründliche Überprüfung" des Gas-Vertrages mit Russland bekräftigt.

80 Prozent der Gazprom-Lieferungen nach Europa laufen über eine ukrainische Pipline. Russland wirft der Ukraine vor, für Europa bestimmtes russisches Gas zu "stehlen", was die Ukraine bestreitet. Russland hatte Anfang des Jahres eine deutliche Erhöhung der bis dahin niedrigen Gaspreise für die Ukraine durchgesetzt.

Die "technische" Gefährdung der westeuropäischen Gasversorgung gehe darauf zurück, dass die Ukraine heuer "wesentlich weniger" Gas in ihre unteririschen Speicher gepumpt habe als in den früheren Jahren, sagte Kuprijanow. Dieses Versäumnis, das auf das lange Machtvakuum in der Ukraine und der Naftogaz zurückzuführen sei, könne nach dem Sommer nicht mehr wettgemacht werden. Wenn die Speicher nicht gefüllt würden, werde sich die Naftogaz im Winter entscheiden müssen "entweder die Transitverträge nach Europa zu erfüllen oder die ukrainischen Kunden voll zu beliefern". (APA)

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