Proteste nach Festnahme von sunnitischem Geistlichen

26. Juni 2006, 17:57
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Sieben Stunden in Gewahrsam - Öffentliche Proteste - Wieder Tote bei Anschlägen - Al-Kaida-Vize droht mit Rache für Zarqawi-Tod

Bagdad - US-Soldaten haben am Samstag im Irak vorübergehend einen führenden sunnitischen Geistlichen festgenommen. Der Mufti Jamal Abdelkarim al-Dabaan und drei seiner Söhne hätten sich sieben Stunden lang in Gewahrsam befunden, teilte die einflussreiche sunnitische Vereinigung Moslemischer Gelehrter mit. Hunderte Menschen seien einem Protestaufruf gefolgt, der über Moschee-Lautsprecher verbreitet worden sei, und hätten vor dem Amtssitz des Gouverneurs in Tikrit die Freilassung des Geistlichen gefordert.

"Ein islamisches und nationales Symbol"

Der Scheich sei "ein islamisches und nationales Symbol", hieß es in einer Stellungnahme der Irakischen Islamischen Partei, der größten politischen Gruppierung der Sunniten im Irak. Seine Festnahme könnte die Sicherheitslage weiter verschlechtern. Mehrere Politiker forderten, die Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften einzustellen, solange der Mufti nicht freigelassen werde.

Wieder Tote bei Anschlägen

Bei einem Bombenanschlag in Bagdad kamen am Samstag zwei irakische Polizisten ums Leben. Drei weitere Polizisten wurden verletzt. Der Sprengsatz explodierte nach Angaben eines Polizeisprechers in der Früh in einem überwiegend von Schiiten bewohnten Viertel im Norden der irakischen Hauptstadt. Bei einem Zwischenfall in Haditha westlich der Hauptstadt erschossen US-Truppen einen Zivilisten und verwundeten zwei Iraker. Die Soldaten hatten das Feuer eröffnet, als der Mann zu überholen versuchte.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurde der örtliche Geheimdienstchef bei der Explosion einer am Straßenrand gelegten Bombe getötet. Auch zwei seiner Leibwächter kamen ums Leben. Im Nordosten von Bagdad fand die Polizei die Leiche eines Mannes, der an Händen und Füßen gefesselt und erschossen worden war.

Ein amerikanischer Soldat auf Patrouille wurde südlich von Bagdad Opfer eines Bombenanschlags, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Damit stieg die Zahl der seit Beginn des Krieges im März 2003 im Irak getöteten US-Soldaten auf 2.520.

Al-Kaida-Vize droht mit Rache für Zarqawi-Tod

Al-Kaida-Vizechef Ayman al-Zawahiri hat den Vereinigten Staaten mit gewaltsamer Rache für den Tod von Abu Musab al-Zarqawi gedroht. "Niemand von uns wird getötet, ohne gerächt zu werden", sagte Zawahiri in einem am Freitag vom Fernsehsender Al Jazeera ausgestrahlten Videoband. Die Aufnahmen zeigen Zawahiri vor einem Foto des irakischen Al-Kaida-Führers Zarqawi, der am 7. Juni bei einem US-Angriff starb. In seiner Ansprache wandte sich Zawahiri direkt an US-Präsident George W. Bush: "Dein Versuch, von der Sicherheit zu träumen, ist vergeblich." Den irakischen Ministerpräsidenten Nuri el Maliki bezeichnete Zawahiri als Verräter. Er rief alle Rebellen im Irak auf, ihren Kampf fortzusetzen. Das Weiße Haus wertete die Aufnahmen als Teil eines "Propagandakriegs". (APA/Reuters/AP)

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