Bekannter Imam wegen Terrorfinanzierung angeklagt

10. Juli 2006, 13:53
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Untersuchungsrichter wirft Generalsekretär des Rats der Imame zwielichtige Transaktionen vor

Paris - Der Generalsekretär des Rats der Imame in Frankreich, Dhaou Meskine, ist gemeinsam mit seinem 24-jährigen Sohn Malek wegen Finanzierung des Terrorismus angeklagt worden. Der mit den Ermittlungen beauftragte Untersuchungsrichter Philippe Courroye hat den muslimischen religiösen Würdenträger und dessen Sohn nach der Anklageerhebung am Freitag unter Polizeikontrolle gestellt, berichteten französische Medien am Samstag.

"Diese Anklage ist unerhört, unvorstellbar", betonte der Anwalt des Imams, Gilles Goldnadel, und fügte hinzu: "Mein Mandant ist ein Modell der Integration und Mäßigung. Seit Jahren ist er um eine Annäherung der religiösen Gemeinschaften bemüht, und ich bin überzeugt, dass das nicht bloß eine Fassade ist."

Getarnte Finanzierung

Die Anklage bezieht sich auf Transaktionen mit Immobilien, deren Fonds von einer Vereinigung stammen, die der ersten islamischen Mittelschule in Frankreich, der "Ecole de la Réussite", nahe steht. Die Schule war 2001 von Meskine gegründet und in Aubervilliers nördlich von Paris angesiedelt worden. Laut Untersuchungsrichter brachten diese Ankäufe der Vereinigung selbst keinen finanziellen Vorteil, es habe sich daher um eine getarnte Finanzierung gehandelt. Verdachtsmomente bestehen auch in Bezug auf Finanzflüsse in Verbindung mit vier Vereinigungen, die von dem Imam rund um die Schule betrieben werden.

Der aus Tunesien stammende Dhaou Meskine, ein moderater Geistlicher, der für seine offenen Stellungnahmen bekannt ist, stand früher der "Union des Organisations Islamiques de France" (UOIF) nahe. Er ging dann aber zur UOIF auf Distanz, weil er deren Position für zu radikal hielt. Der Imam predigt gelegentlich in einem islamischen Gebetsraum in Clichy-sous-Bois (Seine-Saint-Denis), eben jener vernachlässigten Pariser Vorstadt, in der die Wochen langen Gewaltakte und Brandstiftungen im Herbst des Vorjahres begonnen hatten. Meskine setzte sich in den Vorstadtzonen stets für den Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen ein. (APA)

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