Business- & Smalltalk in Japan

27. Juni 2006, 15:21
16 Postings

Seien Sie höflich und sprechen Sie kein Wort Japanisch . . .

Die ersten Hürden des Begrüßungsrituals sind überstanden, nun geht es endlich zur Sache - falsch gedacht. Die oberste Tugend in Meetings mit Japanern heißt Geduld. Das erste Meeting ist nur zum Kennenlernen & Beschnuppern, beim zweiten Meeting spricht man über Konkretes, und erst ab dem dritten Meeting wird es ernst. Aber: Seien Sie nicht überrascht, wenn die Aussagen Ihrer Gegenüber schwammig sind, das Meeting zäh wird und Ihnen womöglich auch Teilnehmer einschlafen.

  • Kein Wort Japanisch.
    Falls Sie kein Meister der vielen japanischen Höflichkeitssprachen sind - keine Aussage ohne Ihren Dolmetscher. Ein einfaches "Guten Tag" oder "Danke" kann gar herablassend und arrogant rüberkommen, kurzum: Es ist alles sehr kompliziert.
  • Erzählen Sie von daheim.
    Sprechen Sie über das Wetter bei Ihnen zu Hause (etwa: es schneit noch im Juni), das klingt ungemein interessant. Für Japaner sind Sie der Exot aus dem fernen Europa.
  • Handouts vorbereiten.
    Egal worum es geht - Japaner erwarten in Meetings immer Handouts. Allerdings nicht die 59-Seiten-Powerpoint-Konvolute. Bereiten Sie ein bis zwei Seiten vor, mit einer kurzen Zusammenfassung über alles, was Sie in dem Meeting ansprechen wollen.
  • Nein zum Nein.
    Japaner sagen nicht Nein - was nicht bedeutet, dass sie zu allem Ja sagen. Das Wort "Nein" gilt als zu aggressiv. Antworten Sie diplomatisch mit "das könnte schwierig werden".
  • Zähe Meetings überleben.
    Oft geraten die Verhandlungen ins Stocken. Keine Bange: Dahinter steckt keine fernöstliche Verhandlungsstrategie - Japaner entscheiden erst nach längerem Hin und Her. Verlieren Sie nicht die Geduld, versuchen Sie es mit einem Trick: Bemühen Sie sich um eine Einigung über einen unwichtigeren Punkt. Das gemeinsame Erfolgserlebnis bringt das Gespräch wieder in Gang, oder - vertagen Sie das Meeting.
  • Schlafende Japaner.
    Sie erklären eifrig die Details eines Projekts und die halbe japanische Mannschaft schläft glatt weg. Sehen Sie es positiv: Vielleicht denken Ihre Gegenüber nur etwas angestrengter nach. Beenden Sie Ihren Vortrag umgehend mit einem lauteren Ende wie "das wäre doch eine tolle Basis für eine Zusammenarbeit". Die tiefsinnigen Gesellen werden die Ersten sein, die Ihnen applaudieren. (Der Standard, Printausgabe 24./25.6.2006)
Von Thomas Grömer

Er leitet die Europa-Niederlassung der japanischen Tee-Firma Aiya in Wien. Aiya Europe
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.