Problematisches Vermächtnis

10. Juli 2006, 17:21
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Oranger Rückenwind für Fun-Park-Projekt an der A2 - Asfinag-Vorstand gibt grünes Licht

Villach - Der "Fun-Park" der Hermagorer Unternehmerfamilie Pongratz an der Südautobahn A2 bei Arnoldstein scheint über erstaunlichen Rückenwind zu verfügen. Nicht nur das BZÖ, allen voran Landeshauptmann Jörg Haider, kurbelte kräftigst, um ein altes Vermächtnis seines Ex-Finanzlandesrates Karl Pfeifenberger zu erfüllen. Auch in der Asfinag gab es gewichtige Unterstützer. Sogar der Aufsichtsrat wurde ausgehebelt.

Der Fun-Park soll unmittelbar neben eine bereits bestehende Raststätte der Asfinag, der "Südrast"errichtet werden. Deren Pächter Rudolf Rainer, seit vielen Jahren Asfinag-Partner, wehrt sich natürlich gegen die existenzgefährdende Konkurrenz. Er wollte die "Südrast" mit einem Drei-Länder-Spezialitätenmarkt und einer Truckerstation erweitern. Daraus wird nun nichts.

Rechtsstreit

Vorangegangen war ein langer Rechtsstreit, der bis heute am Zivilgericht und beim Verwaltungsegrichtshof anhängig ist - im Zuge dessen sich die Asfinag sogar über ihre eigenen Satzungen hinwegsetzte. So genießen einzelne Raststätten einen so genannten Betriebsschutz und dürfen nur in einem bestimmten Kilometerabstand voneinander errichtet werden, um sich nicht gegenseitig zu konkurenzieren.

Auch bei den Bewilligungsverfahren für den Fun-Park, der für rund 2000 Personen ausgelegt ist, kam es zu "Ungereimtheiten". Die Baubewilligung vonseiten der Gemeinde Arnoldstein wurde im Blitztempo wenige Tage vor Auslaufen der Option, die die Asfinag als Grundeigentümerin der Familie Pongratz bis 31. 12. 2005 eingeräumt hatte, erteilt. "Das Wasserrechtsverfahren ist bis heute nicht abgeschlossen", sagt Rainers Anwalt Norbert Moser. "Mein diesbezügliches Schreiben ignoriert die Asfinag beharrlich."In den Vertragsbedingungen der Asfinag gegenüber der Fun-Park-Betreiber heißt es allerdings: "Wenn bis zum Fristende der Option bis 31. 12. 05 nicht alle Genehmigungen vorliegen, erlischt dieserVertrag."Es fehlen aber auch die Veranstaltungsbetriebsanlagen- sowie straßenrechtliche Bewilligung.

Autofahrer

Zudem warnten Gutachten, darunter auch eines von der Gemeinde Arnoldstein in Auftrag gegebenes, vor dem Fun-Park-Projekt, das von den Autofahrern zu 60 Prozent abgelehnt wird. Trotzdem gab Asfinag-Vorstand Franz Lückler grünes Licht. AR-Chef Johann Quendler ist wegen des Ausbremsens des Aufsichtsrates empört: "Der Fun-Park steht in Widerspruch zum Unternehmenskonzept der Asfinag."Lückler dagegen sieht seine Berichtspflicht erfüllt. Alle Genehmigungen seien da, man warte nur mehr auf das Finanzkonzept. Übri- gens: Fun-Park-Gesellschafter Univ.-Prof. Gerhard Pongratz half Karl Pfeifenberger seinerzeit bei dessen willkürlicher Bestellung des Klagenfurter Flughafen-Direktors mit einem Privatgutachten aus der Patsche. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.6.2006)

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