Börsenhandel belebt Wachstum und Arbeitsmarkt

23. November 2006, 10:37
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Die stark gestiegenen Aktivitäten an der Wiener Börse haben laut einer Studie seit 2002 jährlich 5900 neue Jobs indirekt geschaffen

Jährlich 5900 neue Arbeitsplätze hätten die stark gestiegenen Aktivitäten an der Wiener Börse seit 2002 indirekt geschaffen. Die Dynamik soll durch weitere Privatisierungen und Börsengänge privater Unternehmen erhalten bleiben.

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Wien - Eine von der Wiener Börse am Freitag vorgelegte IHS-Studie belegt den positiven Beitrag des Kapitalmarktes zum Wirtschaftswachstum in Österreich. Durch die seit 2002 stark gestiegene Marktkapitalisierung sei das Wachstum um 0,3 Prozent angekurbelt worden und jährlich 5900 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat bei der Präsentation der Studie sogleich eine weitere Stärkung der Börse unter anderem über zusätzliche Privatisierungsschritte versprochen und die Bundesländer aufgefordert, es dem Bund bei ihren Banken, Flughäfen und Energieversorgern gleich zu tun. Die Länder würden noch immer auf "beträchtlichen Vermögensbeständen" sitzen.

Wenig Umsatz

Hintergrund ist: Zwar entwickelt sich die Wiener Börse prächtig und weist unter 20 untersuchten Ländern seit 2002 den höchsten Zuwachs in der Marktkapitaliserung auf. Dennoch sind die Wiener Börsenumsätze aber auch die Marktkapitalisierung im internationalen Vergleich noch stark ausbaufähig. IHS-Chef Bernhard Felderer nannte insbesondere die relativ geringen Börseumsätze als Schwachpunkt Wiens.

Neues Leben eingehaucht werden kann der Börse mit mehr Angebot an Börsentiteln. An konkreten Privatisierungsprojekten nannte Grasser OMV und Verbund, bei denen es in der nächsten Legislaturperiode gelingen sollte, den Staatsanteil auf 25 Prozent (plus eine Aktie) zu reduzieren. Beim Verbund ist die staatliche Mehrheit von 51 Prozent jedoch verfassungsrechtlich abgesichert.

Bei den Austrian Airlines und den Österreichischen Bundesbahnen sieht der Finanzminister derzeit keine Möglichkeit eines Verkaufs über die Börse. In beiden Fällen seien zuerst die Restrukturierungsmaßnahmen und Reformschritte zu erledigen. "Das ist fast wichtiger, als darüber zu sinnieren, ob man an die Börse geht", kommentierte Grasser die jüngsten Vorstellungen des ÖBB-Managements eines Börsenganges.

TA "Kandidat für Vollprivatisierung"

Die Telekom Austria bezeichnete Grasser weiterhin als Kandidat für eine Vollprivatisierung, gelungen ist dieses Vorhaben schon in der letzten Legislaturperiode nicht. Während insgesamt heuer noch zwei, drei private Unternehmen an die Wiener Börse kommen sollen, liegt die Privatisierung der staatlichen Unternehmen bis zu den Wahlen aber ohnehin auf Eis. Für die Post AG weiderholte Grasser die bekannte Position, wonach die Mehrheit von 51 Prozent in Staatsbesitz bleiben sollte.

Börsenvorstand Heinrich Schaller forderte von Grasser steuerliche Erleichterungen (z.B. keine Gesellschaftssteuer auf Kapitalerhöhungen) sowie einen Ausbau von Zukunftsvorsorge und der Mitarbeiterbeteiligungsmodelle. Beides versprach Grasser nach den Wahlen in Angriff zu nehmen. Noch vor dem Urnengang will er ein Paket zur Verbesserung der Abläufe bei Wirtschaftsprüfern vorstellen. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.6.2006)

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