Weitere Anzeigen gegen Beteiligte

5. Juli 2006, 17:07
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Angehörige sind schockiert wegen unveränderter Überflugerlaubnis: "Man tut so, als sei nichts passiert"

Sölden: Innsbruck - Nach dem Schuldspruch für den Unfallpiloten der Seilbahnkatastrophe von Sölden zeigten sich Angehörigen der neun Todesopfer tief bewegt. "Es ist furchtbar, dass überhaupt ein Urteil nötig ist, damit endlich reagiert wird. Neun Tote reichen offenbar nicht aus", sagte ein Mann, dessen 13-jährige Tochter bei dem Unglück getötet worden war. Dass man nach der Tragödie weiterhin über Seilbahnen Lasten per Hubschrauber transportiere und somit "so tut, als sei nichts passiert", sei schockierend und schamlos. Sein Anwalt Christian Rohde kündigte weitere Strafanzeigen gegen am Unglück Beteiligte an.

Wie in einem Teil der gestrigen Standard-Auflage berichtet, wurde der Hubschrauberpilot, der genau über der Seilbahn eine Last verloren hatte, zu 15 Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Kommerzielle Gründe"

Der Vater eines verunglückten 14-jährigen Mädchens erklärte: "Es ist gut, dass der Pilot nicht ins Gefängnis muss. Das wäre keine Genugtuung für uns gewesen. Unser Ziel ist es ja, solche Rechtsbrechungen in Zukunft generell zu vermeiden."Eine lückenlose Aufklärung des Unfalls sei das Einzige, was die Eltern noch für ihre verstorbenen Kinder tun könnten. "Das sind wir unseren toten Töchtern und Söhnen schuldig", sagte er. Das Unglück sei aus kommerziellen Gründen entstanden und hätte leicht verhindert werden können. Der Pilot will bis Montag entscheiden, ob er Berufung gegen das Urteil einlegt. (bs, DER STANDARD Printausgabe, 24./25.06.2006)

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