Kopf des Tages: Alfred Gusenbauer

4. Juli 2006, 15:53
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Red Fred, dem nicht nur das Glück fehlt

Alfred Gusenbauer ist ein netter und sympathischer Mensch, durchaus mit Humor ausgestattet. Und gescheit ist er auch. Manchen sogar zu gescheit. Dozieren kann er zu jedem Thema, das tut er auch gerne. So kann es passieren, dass er etwa einem Kinderbuchautor erklärt, wie man Kinderbücher schreibt. Vom Wein ganz zu schweigen. Da ist er quasi ein internationaler Experte - obwohl er in Ybbs an der Donau aufgewachsen ist.

Seine Partei ist mit ihm nie ganz warm geworden. Gusenbauer war der Kompromisskandidat zwischen links und rechts, zwischen Caspar Einem und Karl Schlögl. Nach dem Rücktritt von Viktor Klima wurde Gusenbauer im Mai 2000 zum SPÖ-Chef gewählt, er war mit 40 Jahren der jüngste Parteivorsitzende und vorher nicht wirklich aufgefallen.

Das Hadern in der SPÖ, ob denn Gusenbauer wirklich der geeignete Parteichef und der bestmögliche Spitzenkandidat ist, hält bis heute an und erhält dieser Tage wieder neuen Nährstoff. Der Streit mit der Gewerkschaft und der Bruch mit ihrem Vorsitzenden Rudolf Hundstorfer mag verständlich sein, wenn man bedenkt, was der ÖGB der Partei so knapp vor der anstehenden Nationalratswahl angetan hat, wird aber auch in der Partei als schwerer Fehler angesehen - und ausgesprochen.

Konnte sich Gusenbauer bisher auf die Bawag-Affäre und deren verheerende Auswirkung ausreden, hat er nun selbst Ne- gativschlagzeilen produziert und einen Konflikt geschaffen, der für die Wahlbewegung nicht gerade hilfreich ist.

Der starke Mann in der Partei war Gusenbauer nie, das ist Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der auch diesmal seinem - formal gesehen - Chef ordentlich den Kopf gewaschen hat, ihn im Parteipräsidium aber wieder gestützt hat. Dass Gusenbauer den Unmut in der Partei bisher überlebt hat, verdankt er vor allem dem Umstand, dass es keine Alternative zu geben scheint. Häupl will nicht, er mosert lieber aus Wien rein. Und Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die viele für die chancenreichere Kandidatin halten, winkt ebenfalls - noch - ab.

Gusenbauer, der mit seiner Lebensgefährtin eine 14-jährige Tochter hat, ist in der Partei groß geworden. Bereits 1981, noch während seines Studiums, war er Angestellter der SPÖ, seit 1993 sitzt er im Nationalrat.

2002 verlor Gusenbauer die Nationalratswahl, auch im Alltagsgeschäft war ihm das politische Glück nicht hold. Wie bei keinem anderen Politiker wurde bei ihm das Aussehen thematisiert, Irokesenschnitt, der unsichere Griff an die Brille, die Schweißperlen auf der Oberlippe. Dazu kamen Urlaube zur falschen Zeit (Hochwasser) und am falschen Ort (Marbella), Ungeschicklichkeiten, die von den Schmutzfinken aus der ÖVP gezielt verstärkt wurden. Die lehnen sich dieser Tage allerdings ganz entspannt zurück. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25. Juni 2006)

Von Michael Völker
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    Alfred Gusenbauer (45) unter Druck: Er läuft als SPÖ-Chef noch dem Erfolg nach.

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