OECD kritisiert Agrarsubventionen

24. Juli 2006, 09:52
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Die Industrieländer zahlten 2005 ihren Landwirten 225 Milliarden Euro

Wien - Eine diese Woche vorgestellte Untersuchung der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) bestätigt die Ansicht der Welthandelsorganisation WTO, wonach die Industrieländer noch immer hohe Agrarsubventionen an ihre Bauern zahlen:

Weltweit summierten sich diese Zahlungen 2005 auf 225 Mrd. Euro, so viel wie im Jahr zuvor. Auch der Rückgang der EU-Agrarbeihilfen fiel trotz Reformen nur geringfügig ausund belief sich zuletzt auf 134 Mrd. Euro, rechnet die OECD vor. In der EU lag damit der Anteil staatlicher Hilfen an den Bruttoeinnahmen des Agrarsektors bei 32 Prozent. (siehe Grafik).

Handelsverzerrend

Zu den besonders handelsverzerrenden Maßnahmen, die laut OECD noch immer 59 Prozent aller Stützungsmaßnahmen ausmachen, gehören Importzölle, Exportsubventionen, Preisstützungen und produktionsgebundene Zahlungen. Würden die derzeitigen Zölle und Subventionen halbiert werden, ließen sich weltweit 44 Milliarden Euro einsparen.

In dem Bericht wird auch der allgemein vertretene Ansicht widersprochen, Förderungen seien für die Aufrechterhaltung von Umweltschutz und Kaufkraft in ländlichen Regionen notwendig, da laut OECD-Untersuchung ein Großteil der Mittel an Großbetriebe, Zulieferbetriebe und verarbeitende Industrie gehe. Besser wäre es, ländliche Entwicklung über Investitionen in Bildung und Infrastruktur zu fördern. Die Reformbemühungen der EU, Subventionen von wettbewerbshemmenden Produktstützungen wegzuleiten hin zu ländlicher Entwicklung, wird von der OECD als richtiger Schritt gewertet.

Die Untersuchung dürfte die Verhandlungen um ein neues Welthandelsabkommen neu anheizen und die EU in die Defensive drängen. Zuletzt hatten sich US- und EU-Verhandler gegenseitig vorgeworfen, die jeweils höheren Agrarförderungen zu zahlen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.6.2006)

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