Solidarität nach Weiheverbot

4. Juli 2006, 15:58
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Bischof Schwarz: "Nachdenkprozess" - Dechant: "Wie Diktatur"

Linz - Nachdem der einzige diözesane Linzer Priesteranwärter Andreas Golatz aufgrund kirchenkritischer Aussagen in einem Standard-Interview vorerst nicht geweiht wird, solidarisieren sich jetzt auch bereits geweihte Kollegen mit ihm und seinen Aussagen.

Golatz hatte in dem Interview unter anderem einen "diözsesanen Aufstand gegen Rom"gefordert. Diözesanbischof Ludwig Schwarz bat den 31-Jährigen daraufhin zu einem "mitbrüderlichen Gespräch". Am Donnerstag hieß es noch, der Neo-Priester selbst hätte sich eine Bedenkzeit erbeten, am Freitag relativierte Bischof Schwarz gegenüber dem Standard diese Angaben: "Die Äußerungen im Interview sind nicht konform mit einem Weihekandidaten und dürfen so nicht stehen bleiben."Es sei daher ein "Nachdenkprozess über mehrere Monate notwendig".

Eine Weisung aus Rom für ein Weiheverbot habe es aber nicht gegeben. "Ich habe nur den Apostolischen Nuntius informiert", sagt Bischof Schwarz. Weitere Gespräche und eine Entscheidung über die Weihe von Golatz werde es im Herbst geben. "Aber er hat sich bei mir schon entschuldigt", ortet der Bischof Willen zur Besserung.

"Dialog-Verstopfung"

Die Aussagen hätten für "Verwunderung und Turbulenzen gesorgt", selbst in der Bischofskonferenz sei "über das Standard-Interview ausführlich diskutiert worden", schildert das Kirchenoberhaupt. Es sei aber nicht "der Stil der Kirche, öffentliches Denken zu verbieten. Gefordert wird aber Respekt, Loyalität und Gehorsam gegenüber der Weltkirche."

Dechant Franz Peter Handlechner von der Pfarre Bindermichl in Linz sieht in der Vorgehensweise seines Bischofs allerdings einen "handfesten Skandal". Es sei "schockierend, dass man in der Kirche seine Meinung nicht mehr artikulieren darf", kritisiert Handlechner im Gespräch mit dem Standard. "Andreas Golatz hat tausenden Gläubigen aus dem Herzen gesprochen. Ich stehe voll hinter seinen Aussagen", hält der Dechant fest.

"Das Weiheverbot des Bischofs hat nichts mehr mit Brüderlichkeit zu tun. Das erinnert mich an eine Herrschaft - wie in einer Diktatur", ärgert sich Handlechner. Die Entscheidung des Bischofs hätte österreichweit unter den Priestern auf jeden Fall "für große Empörung gesorgt".

Selbst der Sprecher des Linzer Priesterrates, Walter Wimmer, ist hörbar unzufrieden: "Statt der Absage hätte ich mir weitere Dialoge gewünscht. Aber es ist ein generelles kirchliches Problem, auch in Österreich: Es gibt eine massive Dialog-Verstopfung." (DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2006)

von Markus Rohrhofer
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