Die stille Route im Ennstal

    10. Juni 2000, 12:00
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    Bei den Autofahrern gilt die Strecke durch das salzburger- und steirische Ennstal, die "Gastarbeiter-Route", als Horror. Die Radler haben es da wesentlich besser.

    Wenn sie den Ennsradweg absolvieren, dann kommen sie mit der Bundesstraße kaum in Berührung, denn die gut beschilderte und mit Bedacht angelegte Strecke verläuft auf Rad- und Güterwegen sowie auf wenig frequentierten Nebenstraßen. Dies gilt allerdings nur bis Admont, denn dann müsste man auf der Bundesstraße über den langen, steilen und zudem stark befahrenen Buchauer Sattel, was nur nervenstarken Velocipedisten zugemutet werden kann. Nicht weniger gefährlich und unangenehm ist die Strecke durch das Gesäuse, wo man permanent mit Autos aller Größen konfrontiert ist. Beschränkt man sich auf den Abschnitt Flachau-Winkel bis Admont, dann lernt man die stillen und beschaulichen Seiten des Ennstales kennen. Landschaftlich lässt der Kurs keinen Wunsch offen.

    Eile mit Weile

    Man beginnt inmitten der Niederen Tauern, radelt dann entlang der Grenze zwischen Kalk und Urgestein, hat immer wieder Sicht zu Dachstein, Grimming, Stoderzinken auf der einen, zu Planai, Hauser Kaibling oder Gumpeneck auf der anderen Seite. Ab Liezen radelt man direkt auf die prächtigen Gesäuseberge mit Großem Buchstein, Hochtor und Planspitze zu. Zudem bleibt man über weite Strecke direkt am Ufer der Enns und erlebt das "Wachsen" des Gewässers von einem kleinen Bach bis zu einem respektablen Fluss, der später eine ganze Reihe von Kraftwerken mit seiner Energie versorgt. Von Flachau-Winkel bis Schladming hat man keine nennenswerte Steigung zu bewältigen, später wird es wellig, aber niemals steil. Ab Pruggern geht es flach und daher flugs dahin. Der Kurs ist bestens beschildert, in Salzburg mit "Ennsradweg", im Steirischen mit "R 7". Es gibt nur eine Stelle, wo man sich "verfransen" kann, und zwar in Haus im Ennstal. Genau in der Ortsmitte, auf dem höchsten Punkt der Straße, macht der Radkurs ein scharfes Eck nach links (Richtung Weißenbach und Aich), diese Abzweigung wird sehr oft übersehen. Sonst aber braucht man mit keinen Orientierungsproblemen zu rechnen.

    Da man ab Altenmarkt im Pongau stets parallel zur Bahn radelt, hat man die Gewissheit, im Fall des Falles in den nächsten Zug einsteigen zu können. Den Ausgangspunkt Flachau-Winkel erreicht man am besten mit dem Taxibus von Radstadt oder Altenmarkt, die Unternehmungen haben sich längst auf den Transport von Fahrrädern eingestellt. Für die Gemütlichen bietet sich auf dem Kurs reichlich Gelegenheit zu Besichtigungen. Es mangelt auch nicht an Gaststätten und Beherbergungs-Betrieben, die den Bedürfnissen der Radler entsprechen. Man sollte nicht in den Fehler verfallen, die stille Route im Ennstal zu rasch zu absolvieren.

    Die Distanzen: Flachau-Winkel bis Schladming 50 km, Schladming-Liezen 64 km, Liezen-Admont 22 km; Gesamt 136 km. Höhenunterschied bergauf rund 200 m, bergab rund 700 m. Schubert & Franzke "Ennsradweg", Maßstab 1:100.000.

    Von Bernd Orfer
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