Elf Freunde, denen Frauen vertrauen

23. Juni 2006, 20:14
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Die Sportredaktion hat die STANDARD-Kolleginnen gereizt, die haben sich mit einem Fußballer-Ranking revanchiert. Mit Ansichtssache

Wien - Schuld sind die Kollegen von der Standard-Sportredaktion. Die, immer bemüht um vollständige und tiefgründige Berichterstattung, hatten nämlich zu Beginn der Fußball-WM diese Fotos von der Bikini-Modenschau der Spielerfrauen ins Blatt gerückt. Und zwar so, dass sich die Bildausschnitte auf die ganz offensichtlichen Qualitäten dieser Damen konzentrierten. Wir waren verwundert - gingen wir doch stets davon aus, dass unsere Standard-Sportredakteure an Frauen vor allem Qualitäten wie intellektuelle Brillanz, Schlagfertigkeit, Humor und Trinkfestigkeit schätzen.

Erfreulicherweise waren die Kollegen empfindsam genug, unsere Verstimmung zu bemerken und zu bedauern. Daher gab man uns die Gelegenheit, "die Dinge wieder ins Lot zu rücken, die so schrecklich aus dem Ruder gelaufen sind", wie Ressortleiter Kollege Neumann formulierte.

Langer Vorrede kurzer Sinn: Die Standard-Mitarbeiterinnen haben nun ihrerseits ins Blatt gerückt, was es so an herzeigbaren WM-Mitspielern gibt. Es handelt sich aber nicht nur um "Rasen- Hasen", wie der "Falter"sie nennt. Die Standard-Frauen erstellten vielmehr einen Kriterien-Katalog, für das, was einen Fußballer in unseren Augen zu einem Super-Fußballer macht: Setzt er seine Popularität für einen guten Zweck ein; wie hält er es mit Fairness; beweist er Spielintelligenz, und reicht sein geistiger Horizont auch über den Spielfeldrand hinaus; hat er als Mann und Mensch Stil; spielt er verlässlich und fleißig; ist er teamfähig - und, na ja, hat er zusätzlich auch noch einen Waschbrettbauch?

Unsere Elf wird von einem Altmeister des feinen Spiels angeführt: Zinédine Zidane, 34 Jahre jung, ein Mann mit Charisma auf dem Spielfeld und im Leben. Dass er bei dieser WM einmal gesperrt war, am Freitag gegen Togo, ist Künstlerpech. Die Frauen im Standard halten ihn nach wie vor für ein Muster an sportlicher Fairness.

Um es noch einmal klarzustellen: Keine von uns gehört zur Kategorie der hysterischen Reporterinnen, wie sie derzeit zu hunderten Deutschlands Stadien und Hotellobbys belagern. Wir würden niemals, tief dekolletiert, David Beckham mit dem Mikro in der Hand den Weg versperren, um dann ehrfürchtig um ein Autogramm zu stammeln, wie es kürzlich eine belgische Reporterin tat. Unser Arbeitgeber würde niemals ein Ex-Model engagieren wie der schwedische TV-Sender TV2, der eine gewisse Ida Marie Vatn auf die Stars loslässt. Das wäre dem Standard zu billig und außerdem zu teuer.

Wir sind ganz normale, WM-begeisterte Zuschauerinnen. Wir wissen, was ein indirekter Freistoß ist, einige von uns können auch die Abseits-Regel erklären. Doch Frauen haben nicht den Tunnelblick beim Fußball - sie schauen nicht nur auf den Ball und die Füße und Wadln. Sie achten, wie auch im wirklichen Leben, auf das Drumherum.

In diesem Sinne: Vergnügliches Schauen. (Die Frauen - DER STANDARD PRINTAUSGABE 24./25.6. 2006)

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