Iranischer Chef-Unterhändler wirft USA Umsturz-Pläne vor

1. Juli 2006, 14:28
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Ali Larijani: "Der Atomstreit ist nur ein Vorwand" - Warnung vor wirtschaftlichen Konsequenzen

London - Der iranische Chef-Unterhändler im Atomstreit wirft den USA einem Medienbericht zufolge vor, die Regierung seines Landes in jedem Fall stürzen zu wollen.

"Der Atomstreit ist nur ein Vorwand", zitierte die britische Tageszeitung "Guardian" Ali Larijani am Freitag. "Wenn es nicht dieser Konflikt wäre, würden die USA einen anderen Grund finden." Der Chef-Unterhändler warf den USA vor, ihre Interessen im Nahen Osten mit Gewalt durchzusetzen. So mache beispielsweise die US-Politik im Irak eine Einigung im Atomstreit schwieriger.

"Die ganze Region in Brand stecken"

"Sie wollen die ganze Region in Brand stecken", sagte Larijani und warnte vor wirtschaftlichen Konsequenzen wie einer drastischen Erhöhung des Ölpreises. Die USA haben wiederholt erklärt, eine diplomatische Lösung mit dem Iran anzustreben, schließen aber auch einen Militärschlag nicht aus.

Der Atomkonflikt zwischen dem Westen und dem Iran schwelt seit Jahren. Die internationale Gemeinschaft vermutet, dass die Islamische Republik hinter dem Deckmantel einer zivilen Nutzung ihres Atomprogramms Nuklearwaffen entwickeln will. Das Land hat dies stets bestritten. Um den Iran zur Einstellung oder zumindest vorübergehenden Aussetzung der Uran-Anreicherung zu bewegen, haben die fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland dem Land ein Paket mit Anreizen und Drohungen vorgelegt.

Warten auf die Antwort

Eine Antwort auf den Vorschlag steht noch aus. Die Aussetzung der Uran-Anreicherung ist für den Westen die Voraussetzung für neue Verhandlungen über das Atomprogramm. Uran kann je nach Anreicherungsgrad zum Bau von Bomben oder zur Stromerzeugung verwendet werden.

Laridschani nannte das Angebots-Paket dem "Guardian" zufolge eine "Predigt" und wies die Forderung der Verhandlungspartner nach einem Stopp der Urananreicherung vor weiteren Gesprächen, zurück. Der Vorschlag sei von Anfang bis zum Ende zweideutig. Sein Land werde detaillierte Gegenvorschläge bringen, sagte Laridschani. Sollte der Iran den Kompromissvorschlag ablehnen und weiter Uran anreichern, drohen dem Land möglicherweise Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat. (Reuters)

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