USA: Volkswirtschaftliche Daten schüren Konjunkturängste

27. Juni 2006, 19:13
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Ein Kommentar von Alexander Sikora-Sikl aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Der US Aktienmarkt tendierte in der abgelaufenen Handelswoche weitgehend seitwärts. Belastend wirkten sich einmal mehr die gemeldeten volkswirtschaftlichen Daten sowie die dadurch weiter geschürten Konjunkturängste aus. So fiel der Stimmungsindikator für die Bautätigkeit auf den tiefsten Stand seit 11 Jahren, die Frühindikatoren für die US-Ökonomie verzeichneten den stärksten Rückgang seit September 2005. Auch neuerliche Kommentare regionaler Fed-Präsidenten zu den Inflationsgefahren verstärkten die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung in der kommenden Woche und brachten den Markt unter Druck.

Unterstützung erhielt der Markt von Unternehmensseite. So meldete die größte USSupermarktkette Kroger's einen Quartalsgewinn über den Anlegererwartungen. Eine positive Gewinnüberraschung hatte auch die größte Investmentbank Morgan Stanley vorzuweisen. Vor allem die gestiegenen Einnahmen aus der Beratung bei Fusionen und Übernahmen führten zu einer Verdoppelung des Quartalsgewinnes. Ebenso übertraf der Expresszusteller FedEx im vergangenen Quartal die Ertragsprognosen. Das weltweit freundliche Wirtschaftsklima hat zu einem deutlichen Nachfrageschub nach Transporten geführt. Befestigen konnte sich Caterpillar. Der Maschinenbauer verzeichnete im Mai einen überraschend kräftigen Umsatzzuwachs, alleine die Motorensparte konnte ihren Absatz um 18% steigern. Der Computerkonzern Hewlett Packard profitierte schließlich von der Ankündigung eines umfangreichen Restrukturierungsprogrammes, welches in den kommenden Jahren zu einer schlankeren Kostenstruktur führen soll.

Einen leichten Rückgang im Quartalsgewinn musste hingegen der Universitätsbetreiber Apollo infolge hoher Investitionen in vier neue Universitäten hinnehmen. Mit Enttäuschung wurde auch das Ergebnis von Bed Bath & Beyond aufgenommen, die Möbelhandelskette verzeichnete im jüngsten Quartal den geringsten Gewinnzuwachs seit mehr als zehn Jahren.

Einen volatilen Kursverlauf wies die Aktie von General Motors auf. Zunächst konnte die Aktie deutlich zulegen, nachdem bei dem bankrotten Zulieferer Delphi Erfolge beim Mitarbeiterabbau bei gleichzeitiger Streikvermeidung erzielt worden waren. In weiterer Folge verlor die GM-Aktie nach einer neuerlichen Herabstufung des Ratings durch Moody’s und Standard&Poors wieder an Terrain. Zur Schwäche neigte der Telekomausrüster Qualcomm, nachdem Nokia angekündigt hatte, in seinen neuen Produkten weniger Patente als bisher von dem US-Unternehmen verwenden zu wollen.

Alles in Allem zeichneten vor allem die zuletzt gemeldeten Unternehmensergebnisse ein tendenziell freundliches Bild. Dieser Umstand lässt einerseits abermals eine positive Berichtssaison im Juli erwarten, andererseits erscheinen vor diesem Hintergrund die Kursrückgänge der vergangenen Wochen nicht gerechtfertigt. Dennoch dürfte die Nervosität aufgrund der bestehenden Zinsängste kurzfristig den Markt dominieren, weshalb wir auf Wochensicht neuerlich von einem verhaltenen Kursverlauf ausgehen.

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