Europa: Stabilisierung der Situation

27. Juni 2006, 19:13
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Ein Kommentar von Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Nach den turbulenten Kursbewegungen der Vorwochen scheint sich die Situation an den europäischen Märkten nun wieder langsam zu normalisieren bzw. stabilisieren. So konnten die Indizes im Gegensatz zu den US-Leitbörsen deutlich zulegen und die herben Verluste der Vorwochen zumindest geringfügig wettmachen.

Im Fokus der Marktteilnehmer stand die milliardenschwere Kooperation zwischen Siemens und dem finnischen Mobiltelefonhersteller Nokia. Wie die Konzerne mitteilten, wolle man die Netzwerk-Sparte von Nokia mit dem Netzbetreiber-Geschäft von Siemens (Carrier Networks) in ein neues, rechtlich eigenständiges Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von knapp EUR 16 Mrd. und 60.000 Mitarbeitern einbringen. Anleger und Analysten reagierten erfreut, die Siemens-Aktie legte deutlich zu. Im Fusionspoker um Euronext hat die Deutsche Börse erneut Zugeständnisse gemacht. So erklärte man sich bereit, Aufsichtsrat und Vorstand aus einer gleichen Anzahl von Vertretern von Euronext und Deutscher Börse zusammenzusetzen, sowie die Zentralfunktionen auf die einzelnen Finanzzentren verteilen zu wollen. Die finanziellen Konditionen des bisherigen Angebots bleiben aber unverändert.

Anteilsscheine der Deutschen Börse zählten zu den größten Gewinnern im Dax, Händleraussagen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenschlusses mit Euronext aufgrund der Zugeständnisse wieder gestiegen. Der Allfinanzkonzern Allianz hat indes Details zur Restrukturierung bekannt gegeben. So wolle man knapp 7.500 Arbeitsplätze abbauen und dadurch Einsparungen von EUR 500 – 600 Mio. erzielen. Die Kosten für den weit reichenden Umbau sollen bei rund einer halben Milliarde Euro liegen. Die US-Investmentbank Merrill Lynch bekräftigte ihre Kaufempfehlung, da das operative Geschäft gut laufe und die Aktie im Vergleich zum Wettbewerb eine höhere Bewertung erlaube. Der italienische Mischkonzern Pirelli plant seine Reifensparte an die Börse zu bringen. In einem der größten Börsegänge Italiens wolle man bis zu EUR 810 Mio. lukrieren, die Zeichnungsfrist solle am 21. Juni beginnen.

Auch der TecDax konnte sich wieder deutlich erholen. Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung war wieder einmal der Solarsektor. An der Spitze der Kursgewinne stehen jedoch Papiere von Evotec, nachdem eine weit reichende Kooperation mit Roche präsentiert werden konnte.

In der nächsten Handelswoche werden neben dem Ifo Geschäftsklimaindex kaum relevante Daten veröffentlicht. Das fundamentale Bild stellt sich in Europa unverändert positiv dar, zuletzt hat sich auch die Markttechnik wieder verbessert. Da Volatilität und Verunsicherung im Markt weiterhin groß sind, rechnen wir auf Wochensicht jedoch lediglich mit einer seitwärtsgerichteten Kursbewegung.

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