RZB-Marktausblick: Korrekturphase noch nicht abgeschlossen

27. Juni 2006, 19:13
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Ein Kommentar von Raiffeisen Research

Globale Inflations- und damit Zinsanhebungsängste drücken in den USA auf die Stimmung und zuletzt belastet auch immer mehr die Sorge über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur. Letztere sollte unserer Meinung nach im weiteren Jahresverlauf, ausgelöst von einem sich abschwächenden US-Immobilienmarkt, deutlich an Fahrt verlieren.

Als Konsequenz daraus erscheinen die bis dato optimistischen Gewinnerwartungen der Analysten deutlich revisionsbedürftig. Wobei weniger die Unternehmensergebnisse der anstehenden Berichtssaison zum zweiten Quartal die großen Enttäuschungen mit sich bringen werden, sondern eher vorsichtige Ausblicke. Auch was die weitere US-Zinspolitik betrifft ist wohl kurzfristig keine Besserung der Stimmung zu erwarten. Eher sogar das Gegenteil, so scheint der nächste Zinsschritt von 25 BP auf ein Leitzinsniveau von dann 5,25 % wohl ausgemachte Sache zu sein. Und um nach den zuletzt widersprüchlichen Aussagen wieder an Glaubwürdigkeit zu gewinnen, wird die Fed wohl zumindest bis zur Sitzung Anfang August keinerlei Zinsanhebungspause andeuten.

Konkret heißt dies, dass wir in der ersten Quartalshälfte mit noch tieferen Indexständen rechnen, dementsprechend ändern wir auch unsere kurzfristige Handelsempfehlung von "Halten" auf "Verkauf". Werden dann allerdings die schlechteren Unternehmensaussichten in den Kursen reflektiert und ein Ende des Zinsanhebungszyklus sichtbarer, so sollten in Richtung Quartalsende die Verluste wieder ausgemerzt werden.

Europa

Die europäischen Aktienmärkte konnten sich zuletzt stabilisieren. Diese Entwicklung war nach den deutlichen Kursverlusten in den letzten Wochen auch überfällig. Gleichzeitig fiel die Gegenreaktion aber verhältnismäßig bescheiden aus. Wir sind daher nach wie vor der Meinung, dass die Korrekturphase noch nicht abgeschlossen ist.

Die Themen Inflation, globale Zinsanhebungen und nachlassende Liquiditätsversorgung werden die Märkte zunächst weiter belasten. Zwar sollte die Unternehmensberichtssaison erneut sehr gut verlaufen, die Ausblicke der Unternehmen dürften aber von Vorsicht geprägt sein. Wir ändern daher unsere kurzfristige Empfehlung wieder auf "Verkauf". Erst in der zweiten Hälfte des dritten Quartals rechnen wir mit einer signifikanten Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten, die die Indizes dann über die aktuellen Stände führen sollte.

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